Nikkor 20-700mm F4

Auf der Suche nach einem hochqualitativen Teleobjektiv fiel meine Wahl auf das Nikon AF-S 70-200mm f4. Dieses Objektiv ist leichter, kleiner und günstiger als die Variante mit Offenblende 2.8. Wie gut schlägt sich das Teleobjektiv in der Praxis?

Jeder normale Fotohaushalt legt sich irgendwann mal ein Teleobjektiv zu. Meistens wird es dann ein 70-300mm f4-5.6, relativ günstig, aber mit einer mäßigen Abbildungsleistung. Tatsächlich hatte auch ich das Tamron 70-300mm f4-5.6 benutzt. Für diese Preisklasse ist das Objektiv ganz ordentlich, allerdings wie zu Erwarten am langen Ende sehr lichtschwach. Dafür packt der Bildstabilisator richtig zu und das Bild ist richtig eingefroren. Das kann Tamron echt gut.

Vor ein paar Jahren ist mein Bedarf nach einem lichtstarken Teleobjektiv gewachsen, und so ist es dann das Nikon AF-S 70-200mm f4 geworden.

Entscheidung für das kleinere Objektiv

Eigentlich stand das Teleobjektiv Nikon AF-S Nikkor 70-200mm f2.8 ganz oben auf meiner Wunschliste. Der Preis war aber auch damals schon happig, und ich fragte mich, wie häufig der 1.5kg Brummer im Einsatz ist, um so eine Investition zu rechtfertigen.

Das Nikon AF-S 70-200mm f4 klang von den Spezifikationen her schon interessanter: Kleiner, leichter, günstiger. Die einzige Frage blieb: Wieviel schlechter in der Abbildungsqualität ist es gegenüber dem großen f2.8?

Also wühlte ich mich durch die üblichen Online Objektivseiten wie Photozone, DXOMark und DPreview. Ein guter technischer Vergleich ist auch hier zu finden. Im Ergebnis ist das f2.8 bei gleicher Blende im Zentrum einen Tacken schärfer, fällt aber wesentlich stärker zum Rand hin ab. Bei manchen Tests bildet das f4 sogar schärfer und kontrastreicher ab. Im Nikon AF-S 70-200mm f4 ist ein Bildstabilisator (VR – Vibration Reduction) der 3. Generation verbaut, der dem damaligen 2.8er überlegen ist. Insgesamt ist bei den Tests nicht eindeutig, wer die Nase in der Abbildungsqualität vorne hat. Das belegen auch die Berichte von Anwendern, die beide Objektive zur Hand haben.

All diese Aspekte haben mich zum Kauf des Nikon AF-S 70-200mm f4 bewogen.

UPDATE Nov 2016: Nikon hat gerade die neueste Generation des 2.8er aufgelegt, und es ist zu erwarten, das der Abstand zum 4er wieder größer wird. Nach den ersten MTF Charts hat das neue 2.8er neben anderen Verbesserungen im Telebereich an Schärfe und Auflösung deutlich zugelegt.

Produktqualität und Funktionen

Das Produkt ist hervorragend verarbeitet. Der Fokussier- und Brennweitenring sind gummiert und haben eine ausreichende Breite zur Bedienung. Die Friktion zur Verstellung des Fokus oder Brennweite finden wir angemessen. Im Preis hätte auch eine Stativschelle mit bei sein können.

Die Gegenlichtblende ist aus Kunststoff und wirkt leider ein wenig günstig. Da hätten sich die Designer ein bisschen mehr Mühe geben können für ein Objektiv dieser Preisklasse.

Am Objektiv befinden sich vier Schalter: Einen für den Autofokus, einen zweiten für den Autofokusbereich, einen dritten für die Vibration Reduction und einen vierten für Normalen / Aktiven VR. Das sind eine Menge Schalter am Objektiv!

Praxistest

Ich benutze das Objektiv mit einer Nikon D7100 Kamera. Ich habe während der Dämmerung und tagsüber bewegte als auch stehende Objekte fotografiert. Das ist mir aufgefallen:

  • Die Auflösung, Kontrastwiedergabe und Kontrolle der chromatischen Aberration, sowie die Farbwiedergabe sind hervorragend.
  • Schon bei Offenblende bildet das Teleobjektiv sehr scharf ab. Mit Blende f5.6 erreicht kann dies noch einmal gesteigert werden.
  • Der Bildstabilisator ist exzellent und friert das Bild genauso ein wie bei den Tamron Objektiven.
  • Ob Weitwinkel oder Tele – Ausschuss beim Autofokus ist sehr selten.
  • Der Autofokus ist nicht der schnellste, da wir aber weder Tier- noch Sportfotografie betreiben ist er noch schnell genug.
  • Die Chromatische Aberretion ist kaum sichtbar, auch nicht bei Offenblende.
  • Zum Bokeh kann ich nicht viel sagen, denn das ist meistens Geschmacksache. Ich mag es.
  • Der Kontrast der Fotos ist sehr gut, die Fotos sind crisp (knackig).
  • Am regelmäßigsten benutzen wir die Schalter für AF/MF und VR on/off.
  • Die Kombination mit einem Konverter haben wir nicht getestet.

Nachfolgend ein paar Beispielaufnahmen und Blick auf die Schalter am Objektiv.

In der Summe ist das Teleobjektiv erstklassig und macht einen mehr als ordentlichen Job. Aufgrund der Größe und des Gewichtes findet es auch gerne den Weg in die Objektivtasche.

Zubehör Stativschelle

Die 848g zerren an dem Kamerabajonett. Eine Stativschelle sieht nicht nur professionell aus, sie bringt die Kamera auf einem Stativ ins Gleichgewicht. Ich habe mich für eine Stativschelle von Mengs entschieden, da das Original von Nikon nochmal ein Zehntel (!) des Objektivs kosten soll.

Die Stativschelle ist aus Metall gefertigt und passt wie angegossen an das Nikon AF-S 70-200mm f4. Um Kratzern am Objektivgehäuse vorzubeugen, ist im inneren Ring ein Filzband angebracht. Die Schraube hat einen Anschlag, sodass sich nicht aus Versehen das Metall der Schelle in das Objektivgehäuse eindrückt. Dadurch ist das Objektiv zwar geklemmt, aber nicht rutschfest.

Nach wie vor finde ich diese lose Klemmung ungewöhnlich. Allerdings erlaubt dies eine problemlose, rasche 90° Verdrehung auf das Hochformat. Vom Design her empfinde ich die Befestigungsschraube zu grob ausgelegt, von der Ergonomie her ist sie aber passend.

Die Nikon Stativschelle RT-1 kommt auch mit einem Filzband daher, in der Summe gibt es keine Unterschiede in der Funktion. In dem Fall kann man es sich tatsächlich sparen, original Zubehör zu kaufen.

Alternativen von Tamron, Sigma und Tokina

Dritthersteller haben die vergangenen Jahre immens aufgeholt, und die Kamerahersteller teilweise überholt, was die Abbildungsqualität von Objektiven betrifft.

Das Sigma 70 – 200mm f2.8 EX DG OS HSM  ist sicherlich eine der möglichen Alternativen zum Nikon AF-S 70-200mm f4. Für einen vergleichbaren Preis bekomme ich ein Objektiv mit einer Anfangsblende von 2.8. Vergleicht man die technischen Daten und die Abbildingsqualität, hat das Sigma bei 135mm Brennweite die Nase vorn. Leider erlaubt es sich gerade bei 200mm Schwächen. Auch ist es in der Offenblende nicht besonders scharf. Dafür ist es aber besonders günstig.

Das Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di VC USD ist preislich eher vergleichbar zum Nikon AF-S 70-200mm f4 als das günstigere Sigma. Testberichte, die beide Objektive 1:1 verglichen haben,  konnte ich nicht finden. Im Einzeltest bescheinigen eine sehr gute Gesamtperformance, mit leichten Abstrichen in der Vignette und bei Gegenlicht. Anwender berichten auch bei diesem Tamron Exemplar von dem fantastischen Bildstabilisator, den wir schon vom 70-300mm kennen.

Nochmal einen Tacken günstiger als das Sigma ist das Tokina AT-X 70 – 200mm f4 PRO FX VCM-S. Die wenige Einzeltests, die über diese Objektiv berichten, bescheinigen ihm eine solide Performance, aber Abstriche im Autofokus (zu langsam) und bei Gegenlichtaufnahmen (Flare). Auch der Bildstabilisator schafft nur drei Blenden Stabilisierung gegenüber fünf bei Nikon.

Wer gerne Videos zu den Teleobjektiven schaut, dem seien die von Matt Granger und Tony Northrup empfohlen.

Mit dem Blick auf alle Eigenschaften, bietet unserer Meinung nach das Nikon AF-S 70-200mm f4 das ausgewogenste Paket. Von der optischen Leistung ist es vergleichbar wie die Boliden mancher Dritthersteller mit Blende 2.8, dafür ist es leichter und kleiner. Als Wehrmutstropfen muss ein größeres Sparschwein geschlachtet werden.

Den Konstrukteuren des Objektivs muss man gratulieren. Sie haben es geschafft, ein 2.8er Teleobjektiv kleinzuschrumpfen – im Gewicht, in der Größe und im Preis. Die optischen Eigenschaften sind dabei vergleichbar zu denen von Blende 2.8 Boliden. Das Teleobjektiv Nikon AF-S 70-200mm f4 ist uneingeschränkt empfehlenswert.

Falls Dir dieser Test gefallen hat, unterstütze Magmafoto mit einem der Amazon-Links. Wenn Du darüber bestellst, dann kostet Dich das nichts extra, aber wir bekommen eine Provision.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.