Panasonic DMC-G81

Das Bessere ist des Guten Feind. Das gilt auch für die Panasonic DMC-G81 gegenüber der Panasonic DMC-G70. Der Hersteller positioniert die Kamera als große Schwester, nicht als Nachfolgemodell. So startet die G81 mit einem satten Aufpreis gegenüber der G70. Ist der höhere Preis gerechtfertigt?

Die technischen Daten der Panasonic G81 lesen sich eindrucksvoll: 5-Achsen-Bildstabilisator Dual I.S., Staub- und Spritzwasserschutz, fehlender AA-Filter. Wir wollten wissen, wie sich die Kamera in der Praxis schlägt.

Große Schwester der Panasonic G70

Die Unterschiede sind schnell zusammengefasst:

  • 5-Achsen Bildstabilisator. Der Bildsensor ist beweglich gelagert und gleicht in 5-Achsen Verwackelungen aus, auch bei 4K Videos. Bis zu 5 Blenden länger soll die Belichtungszeit sein, im Vergleich zu einem System ohne Bildstabilisator wie der Panasonic G70.
  • Staub- und Spritzwasserschutz. Die Kamera ist nun besser gegen Umwelteinflüsse geschützt.
  • Fehlender AA-Filter. Für eine bessere Bildschärfe wurde der Anti-Aliasing Filter entfernt. Mögliche Moiré-Effekte soll der Kameraprozessor herausrechnen.
  • SD-Kartenslot. Der SD-Kartenslot ist seitlich angebracht, die SD lässt sich damit unabhängig von dem Batteriefach entnehmen. Das ist sehr hilfreich beim Arbeiten mit einem Stativ.

Daneben gibt es noch kleinere Unterschiede in der Blitzreichweite, Akkuleistung, Gewicht, in dem neuen elektromagnetischen Verschluss und in der Anzahl der Bilder pro Sekunde im Dauershoot-Modus. Für uns sind diese Veränderungen eher von untergeordneter Bedeutung.

War da nicht noch etwas wichtiges für Videoenthusiasten? Ja richtig, 4K geht jetzt auch mit 30fps. Neu und doch nicht neu: Das war vorher auch mit der G70 möglich, wie dieses Video zeigt.

Ergonomie und Verarbeitung

Die Panasonic G81 ist eine ergonomisch sehr gut gestaltete Kamera. Genau wie der Vorgänger Panasonic G70. Die Hand umschließt den Haltegriff, sodass die Kamera auch ohne Schlaufe sicher gehalten werden kann. Alle wichtigen Einstellräder wie Blendenvorwahl, Belichtungskorrektur, und Bedienknöpfe wie der Auslöser können problemlos erreicht werden. Beide Kameras sind wie eine geschrumpfte DSLR mit hervorragender Ergonomie. Panasonic hat das verstanden.

  • Die Verarbeitungsqualität ist durchgängig auf einem hohen Niveau. Kein knarzendes Gehäuse. Alle Knöpfe haben einen guten Druckpunkt und lassen sich gut bedienen.
  • Beim Drehen / Bewegen der Kamera im ausgeschalteten Zustand fällt ein merkliches Klappern auf. Laut Bedienungsanleitung ist die Ursache der beweglich gelagerte Bildsensor.
  • Das Batteriefach lässt sich durch einen Drehhebel statt einem Schieber öffnen. Diese Veränderung war wohl notwendig, um Platz für das optionale externe Batteriefach zu machen. Wir fanden den Schieber bei der Panasonic G70 in der Bedienung intuitiver – dieser lies sich blind bedienen. Beim Drehhebel müssen wir erst auf die Mechanik schauen, um das Batteriefach zu öffnen.
  • Der Blitz klappt bei der Panasonic G81 nicht einfach hoch, sondern springt quasi vorwärts daher. Der Blitz-Freigabehebel ist an der Seite. Uns hat die Blitzmechanik und die Position des Auslöseknopfes an der G70 besser gefallen.
  • Das Menü ist klar und übersichtlich strukturiert. Schon bekannt von der Panasonic G70.
  • Der AF-Wahlschalter lässt sich nicht mehr so angenehm mit dem Daumen bedienen wir beim Vorgänger. Nahe dieser Stelle ist eine merkwürdige Griffkante hingewandert, und diese stört ein wenig. Warum, weiß wohl nur Panasonic.
  • Bei Verwendung eines externen Mikrofons befindet sich der Stecker leider in der Drehachse des ausgeklappten Schwenkmonitors. Das ist ärgerlich, denn das ist bei der Panasonic G70 besser gelöst.
  • Der Akkustand wird weiterhin mit drei Ladebalken angezeigt. Nach wie vor finden wir eine Prozentanzeige, auch gerne in 5%-Schritten, passender.

Von der Ergonomie und Bedienung her ist die Panasonic G70 perfekt, eine kleine schnuckelige DSLM mit ausreichend Grip für die Hände. Die Panasonic G81 ist da nicht anders, bringt aber in Details nicht immer Verbesserungen.

5-Achsen-Bildstabilisator

Kurz nach Erscheinen gab es einige Berichte über die Panasonic G81, dass der Bildstabilisator bei Schwenks (Panning) im Videomodus einen merkwürdigen Sticking-Effekt zeigt.  Nur wenige Tage später erschien das Firmware-Update V1.1, mit dem das Problem behoben wurde.

Ansonsten macht der Bildstabilisator eine ordentliche Arbeit. Zwar hat Olympus weiterhin die Nase vorn (bis 6 Blenden Verlängerung), aber für den Normalanwender sollte die Stabilisierung ausreichen. Besonders in Kombination mit lichtstarken Festbrennweiten spielt der 5-Achsen-Stabilisator nun seine Stärken aus. Ein besonderes Schmankerl von Panasonic ist das Zusammenspiel der Bildstabilisatoren von Kamera und Objektiv (Dual I.S.), wie z.B. dem Kit-Objektiv 12-60mm f3.5-f5.6.

Darüber hinaus gibt es einen elektronischen Bildstabilisator, der dazugeschaltet werden kann. Logischerweise arbeitet dieser mit Bildbeschnitt, sodass dieser Modus nur für das 1080p-Format zur Verfügung steht, nicht aber für 4K. In der Praxis werden Bewegungen noch mehr weichgebügelt – vom Gefühl ist uns das ein wenig zu viel Stabilisierung und wir bevorzugen dann eher einen Gimbal.

Unterschiede zur Panasonic G70 in der Praxis

Die Panasonic G81 wiegt tatsächlich merkliche 95g mehr. Einerseits fühlt sie sich dadurch höherwertiger an, andererseits ist die Panasonic G70 vom Gewicht her genau richtig. Der Abstand zu einer DSLR wird damit noch kleiner, denn viel schwerer und größer ist eine Nikon D5600 auch nicht.

  • Wir haben Blende und ISO-Wert bei der G70 und G81 gleich eingestellt und festgestellt, dass die Verschlusszeiten bei eingeschaltetem Bildstabilisator bei der G81 länger sind. Das ist merkwürdig, eigentlich sollten die Verschlusszeiten gleich sein.
  • In der Videoqualität und im Rauschverhalten bei unterschiedlichen ISO-Werten sind zwischen der G70 und G81 nur kaum merkliche Unterschiede feststellbar.
  • Der fehlende AntiAliasing-Filter (AA-Filter) macht sich bei Fotos im 1:1 Vergleich bemerkbar. Da zeigt sich ein Quentchen mehr Schärfe bei der G81 zur G70. Der Schärfeunterschied ist nicht viel, aber im Direktvergleich im Zentrum als auch am Rand sichtbar.
  • Die G70 zeichnet beim Videorekording die ersten 3 Frames der Audiospur nicht mit auf. Wir hofften, dass dies nun bei der G81 behoben ist. Das Gegenteil ist der Fall: Bei der G81 werden die ersten 5 Frames nicht mit Ton aufgezeichnet. Muss das so sein? Wird hier der Signalton beim Start der Videoaufzeichnung stumm gestellt?
  • Der Autofokus arbeitet genauso schnell und zuverlässig wie in der G70. Laut Datenblatt soll der AF der G81 noch besser sein, wir haben keine Unterschiede in der Praxis feststellen können.
  • Das Bildrauschen der G81 ist dem der G70 sehr ähnlich, Unterschiede sind kaum sichtbar. Wir begrenzen den ISO-Wert auf 1600, ab dann finden wir das Signal/Rauschverhältnis nicht mehr akzeptabel.

Audioproblem der G81 (Update vom Juli 2017!)

Die Panasonic G81 bringt leider bis zur Firmware 1.1 ein Audioproblem mit. Wir sind durch Foreneinträge darauf aufmerksam geworden. So ist auf den Videos ein wahrnehmbares Rauschen zu Hören, und ab und zu eine Art schnarren/klopfen/knarzen. Das kommt vom Bildstabilisator, und wurde mit der Firmware 1.2 weitestgehend behoben. Allerdings ist ein externes Mikrofon für semiprofessionelles Filmen ohnehin Voraussetzung.

Als externes Mikrofon bietet sich beispielsweise das Rode VideoMic Go, das für wenig Geld zu haben ist. Wer ein wenig mehr Geld ausgeben möchte, der kann sich mal das Sennheiser MKE-440 ansehen. Da uns Stereoton wichtig ist, nutzen wir das sehr gute Tascam TM-2X (Testbericht kommt noch). Mit dem externen Mikrofon, auch ohne Ausleger, sind die Störgeräusche weg und dem stabilisierten Filmgenuss steht nichts mehr im Weg. Allerdings handelt man sich mit dem externen Mikrofon das nächste Problem ein – war der Anschluss bei der G70 noch oberhalb des Drehbereiches des Monitors, liegt der Anschluss nun so, dass die Drehung des ausgeklappten Schwenkmonitors behindert wird.

Kit-Objektiv 12-60mm f3.5-f5.6

Bei Kit-Objektiven ist unsere Erwartungshaltung hinsichtlich Lichtstärke, Schärfe und Kontrastverhalten naturgemäß gering. Kit-Objektive sind immer ein Kompromiss, Kunden eine günstig produzierte, aber ausreichend gute Linse für den Start mitzugeben. Meistens reizt das Objektiv den Sensor überhaupt nicht aus.
Das Objektiv Panasonic 12-60mm f3.5-f5.6 ist unerwartet gut. Die Verarbeitung und die Materialanmutung des gewählten Kunststoffs sind sehr gut – auch bei der Gegenlichtblende, die anstandslos einrastet und ebenfalls sehr gut verarbeitet ist. Update nach einem Jahr Nutzung: Die Gegenlichtblende ist recht schwierig zu montieren.

G70 behalten, G81 kaufen oder Nachfolger abwarten?

Vor dieser Frage stehen vermutlich viele G70 Besitzer. Prinzipiell hängt die Entscheidung davon ab, wie die Kamera im Alltag verwendet wird. Wer einmal längere Zeit unstabilisierte 4K Clips zu einem Video schneidet, freut sich über jede Bildstabilisierung während der Produktion.

Unserer Meinung nach sollte die G70 bleiben, wenn hauptsächlich fotografiert und weniger gefilmt wird, und die Fotos überwiegend bei ausreichend Helligkeit gemacht werden. Für die G81 sprechen wir gerne eine Kaufempfehlung aus, wenn viel in 4K ohne fremde Hilfsmittel (Steadycam, Gimbal, Schulterstativ) gefilmt wird. Dann macht eine Investition in den Bildstabilisator Sinn. Ein externes Mikrofon ist dann allerdings Pflicht.

Eine weitere Möglichkeit wäre: Den Nachfolger nehmen. Der ist inzwischen frisch auf dem Markt: die G9.

Größter Wehrmutstropfen ist und bleibt der MFT-Sensor, der bei schlechten Lichtverhältnissen sichtbar mehr als ein APS-C oder FX Sensor rauscht.

Die G81 ist gegenüber der G70 ein lohnenswertes Upgrade, dank Bildstabilisator, dem Wetterschutz und dem guten Kit-Objektiv. Das Audioproblem lässt sich mit einem externen Mikrofon umgehen, und ist seit der Firmware 1.2 Geschichte. Ob sich die Investition lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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