Zhiyun Crane

Wer einmal mit einem Gimbal gefilmt hat, der schätzt dieses Werkzeug. Ich hatte lange Zeit den Filmpower Nebula 4000 Lite in Kombination mit einer DSLM benutzt. Es war Zeit für ein Upgrade. Test des Zhiyun Crane.


Als Filmpower den Gimbal Nebula 4000 Lite 2014 auf den Markt brachte, war er einer der ersten Einhand-Gimbals für den Prosumer-Markt. Schöne Kamerafahrten und verwackelungsfreie Videos wurden plötzlich auch für den kleineren Indie-Filmer erschwinglich. Dies war die ersten Generation von aktiven Kamerastabilisatoren mit kardanischer Aufhängung.

Glaubt man dem Marketing, ist Ende 2016 inzwischen die vierte Generation an Gimbals auf dem Markt. In nur 30 Monaten eine rasante Entwicklung, die sicherlich auch von der Drohnenindustrie beschleunigt wurde.

Einschränkungen beim Nebula 4000 Lite

Der Nebula 4000 Lite von Filmpower ist einer der ersten handgehaltenen Gimbals für Actionkameras, Kompaktkameras, kleinen DSLRs oder DSLMs. Geliefert wird der Gimbal in einem Hardplastikcase, inklusive Ladegerät. Der Akku ist im Handgriff verbaut und bietet 30 Minuten Stabilisierungsvergnügen. Die Komponenten sind aus Aluminium gefräst und schwarz eloxiert. Als Produkt der 1. Generation gibt es jedoch einige Einschränkungen im täglichen Gebrauch:

  • Der Akku reicht nur 30-45 Minuten. Meistens sind wir damit über den Tag gekommen, aber das ist doch recht knapp. Der Akku ist fest im Handgriff verbaut, ein Austausch ist nicht möglich. Der optionale teure Zusatzakku ist keine echte Alternative.
  • Für eine DSLM inkl. Objektiv mit 650g Gesamtgewicht ist der Gimbal evt. ein wenig zu schwach ausgelegt. Bei langsamen Bewegungen ist das kein Problem, beim Laufen machten sich jedoch deutliche Mikroruckler bemerkbar.
  • Das Feinjustieren der einzelnen Achsen für das initiale Setup benötigt einen Inbusschlüssel und viel Zeit. Denn pro Achse müssen vier Inbusschrauben gelöst und wieder angezogen werden.
  • Die Pan-Achse konnte nicht um 360° frei gedreht werden oder zwei wichtige Kabel werden abgedreht.
  • Der Handgriff ist einerseits aus wunderbar schwarz eloxierten Aluminium gefräst, andererseits ist dieser an einigen Stellen scharfkantig und unangenehm zu umfassen.
  • Beim Starten der Filmaufnahme auf der Kamera konnte der Gimbal schon mal aus dem Tritt geraten (unkoordiniertes Rütteln). Da half nur Aussschalten und Neu ausrichten. Das kostet Zeit und Nerven.
  • Für die Feinjustierung gibt es die Software Simple-BCGGui, die Java voraussetzt. Das Experimentierherz schlägt hier höher, jeder Parameter lässt sich hier gut einstellen. Andererseits ist diese Software nicht für den Anwender geschrieben, ein bisschen Nerd muss man dafür schon sein.

In der Summe alles andere als ein einfach zu bedienendes Produkt.

Alles besser beim Zhiyun Crane?

Auf der Suche nach einem fortschrittlicheren Modell bin ich schließlich beim Zhiyun Crane hängengeblieben. Obwohl dieses Produkt noch recht neu und in Deutschland kaum bekannt und selten vertrieben wird, wirken die ersten Youtube-Berichte sehr viel versprechend und so bestellte ich das Produkt kurzerhand aus China. Tatsächlich hat die neueste Gimbal Generation die oben genannten Einschränkungen überwunden:

  • Der Akku ist austauschbar soll bis zu 12 Stunden reichen. Das ist mehr als ausreichend, sodass man damit locker zwei Tage Filmvergnügen abdecken kann. Anbei ist ein Ersatz-Akkupaket und ein separates Ladegerät.
  • Der Gimbal hat genügend Power für eine DSLM mit 650g Gesamtgewicht und ist bis zu einer Last von 1200g ausgelegt. Ich würde dies nicht voll ausreizen, aber die Größe und Performance der Stellmotoren lassen vermuten, dass der Gimbal auch diese Aufgabe meistert. Selbst beim Laufen bleibt die Kamera stabil und es sind keine Mikroruckler zu verzeichnen.
  • Die Feinbalancierung der Kamera beim initialen Setup geht nun ohne Werkzeug. Das ist an sich eine deutliche Verbesserung zum Nebula 4000 Lite. Leider ist der Träger aber so ausgelegt, dass bei einem leichten Objektiv zusätzliche Klemme notwendig ist. Ich vermute allerdings, dass liegt an meinem besonders leichten Objektiv.
  • Alle Achsen können 360° drehen, die Kabel sind in den Armen und Stellmotoren versteckt.
  • Das Drücken des Videoknopfes bei der Kamera bringt den Gimbal nicht aus dem Tritt, da die Stellmotoren genügend Power haben. Das liegt vermutlich an der Technologie der Stellmotoren (Encoder, 32Bit), die prinzipiell anders arbeiten als beim Nebula 4000.

weitere Features

Zu den bereits genannten Verbesserungen bringt der Zhiyun Crane noch weitere Features mit:

  • Der Gimbal kann auch so konfiguriert werden, dass der Monitor der Kamera komplett ausgeklappt wird. Das ist nur bei den wenigsten Gimbalmodellen der Fall.
  • Während der Aufnahme kann der Gimbal auf den Kopf gestellt werden, sodass tiefe Kamerafahrten problemlos möglich sind. Ohne Werkzeug, ohne Ausschalten.
  • Mit dem Joystick lässt sich der Gimbal direkt steuern und auch während der Aufnahme korrigieren.
  • Der Gimbal lässt sich per BT und den bereitgestellten Smartphone Apps aus der Ferne steuern.
  • Der Zhiyun Crane hat genug Power, ein zusätzliches Mikrofon auf der Kamera mitzutragen, obwohl der Schwerpunkt recht hoch liegt.

Fertigungsqualität

Der Zhiyun Crane ist sauber verarbeitet und ein durchdachtes Produkt. Die Fertigungsqualität ist sehr hoch, keine überstehenden Kanten, nichts. Der gesamte Gimbal ist aus eloxierten Aluminium und wirkt dadurch sehr hochwertig. Das merkt man besonders an den Armen und der Verschraubung des Griffes. Alle Kabel sind innen geführt.

 

Verbesserungspotenzial

Aufgrund der Vielzahl der Verbesserungen zum Nebula 4000 Lite sind es nur Kleinigkeiten, die hier zu nennen sind:

  • Die Montageschraube für die Kamera ist leider verlierbar. Das war beim Nebula 4000 Lite besser gelöst.
  • Das gesamte System baut ziemlich hoch auf. Damit ist das Setup eine recht wackelige Angelegenheit. Ich hätte einen kürzeren Griff besser gefunden, auch gerne zu Lasten der Akkulaufzeit.
  • Der Zhiyun Crane passt leider nur in seiner ursprünglichen Konfiguration in den Koffer. Das macht leider wenig Sinn. Da wäre eine größere Box besser gewesen, um vorkonfiguriert am Set gleich loslegen zu können.
  • Der Gimbal könnte gerne 250g leichter sein. Inzwischen gibt es noch eine Zhiyun Crane M Variante, die allerdings nur kleine DLSMs tragen soll. Glaubt man den Youtube-Videos, so sollen sich da wieder die Mikroruckler einstellen, weil die Stellmotoren nicht ausreichend Power haben.
  • Das Umstellen der unterschiedlichen Modi hätte ich nicht auf den Joystick, sondern auf einen extra Knopf gelegt. Das war beim Nebula 4000 Lite besser gelöst.
  • Standardakkus wie AA wären gut gewesen.

Das ist dann auch schon alles. Jammern auf hohem Niveau. Nichts wirklich, was dem Filmvergnügen im Weg steht.

Praxiserfahrung

Ich habe mehrere Ausflüge mit dem Zhiyun Crane unternommen, wobei es darum ging, spazieren gehende Personen von vorne, von hinten und von der Seite zu begleiten, frei lebende Tiere zu filmen oder Gebäude, Schiffe oder ähnliches in 4K zu bannen. Die Ergebnisse sind beeindruckend und einwandfrei und decken sich mit dem in diesem Youtubevideo.

Vergleichbare Produkte

Die meisten alternativen Lösungen mit gleichem oder ähnlichem Funktionsumfang sind wesentlich teurer als der Zhiyun Crane:

Inzwischen haben die meisten Hersteller nachgezogen und ebenfalls ihre 4. Generation an Gimbals auf den Markt geworfen. Der Zhiyun Crane ist unserer Meinung nach jedoch unschlagbar im Preis-/Leistungsverhältnis.

Der Zhiyun Crane ist eine drastische Verbesserung zum Nebula 4000 Lite in allen Belangen. Das Produkt ist ein erwachsenes Werkzeug für Videofilmer geworden. Die Akkulaufzeit ist ausreichend lang, und die Stellmotoren haben genug Kraft, so dass Mikroruckler der Vergangenheit angehören. Lediglich die Länge des Handgriffes ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

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