Karlsbrücke, Prag

Prag ist immer eine Reise Wert nicht nur wegen des sehr leckeren Biers. Prag ist eine der Städte, in denen ich mich auf Anhieb wohl fühle; wie zu Hause, nicht fremd, sondern vertraut, obwohl ich kein tschechisch spreche. Vom Flair wirkt Prag wie eine Mischung aus Wien, Berlin und St. Petersburg.

Prag – die goldene Stadt – fasziniert auch zur Winterzeit. Bestes Tschechisches Bier, Absinth, Böhmisches Kristallglas und deftiges Essen, zahlreiche Shoppingarkaden – acht Millionen Besucher kommen Jahr für Jahr und drängen in die engen Gassen der Altstadt.

Wieder hatte ich nur 48 Stunden für einen Besuch. Anders als beispielsweise London kann Prag gut zu Fuß entdeckt werden, ohne zu sehr erschöpft zu sein oder regelmäßig auf öffentliche Transportmittel zurückgreifen zu müssen.

Wer sich für Skulpturen, Architektur in Barock, Klassizismus und Jugendstil interessiert, kommt in Prag voll auf seine Kosten – ja, es ist richtig schwer ein Hausfassade zu finden, an der nicht irgendwelche beeindruckenden Figuren montiert sind.

Ein wenig skurril empfand ich das maßlose Überangebot an Matroschka-Puppen, die es abweichend von der klassischen Bemalung auch als Fußballspieler und Politiker gab. Maßlos war auch der Preis für ein etwas größeres Puppenmodell. Die Gier des Kapitalismus hat hier schon lange Fuß gefasst, auch wenn Prag noch mancherorts von einer dünnen sozialistischen Patina überzogen ist.

Sehr schön sind allerdings – wie ich finde – handbemalte Gegenstände aus Emaille. Ansonsten eigentlich verpönt, werden Tassen aus Emaille hier hoffähig gemacht.

Karlsbrücke

Die steinerne, im 14. Jahrhundert errichtete, Karlsbrücke verbindet die Altstadt und die Kleinseite über den Fluss Moldau. Es gibt eigentlich nur eine Zeit, zu der das Wahrzeichen der Stadt – die Karlsbrücke – nicht komplett überbevölkert ist, und das ist morgens vor dem Sonnenaufgang. Das hat mich ein wenig an die Brooklyn Bridge in NYC erinnert, das ist da so ähnlich, hier allerdings ohne aggressive Radfahrer.

Also bin ich auch morgens hin, und teile mir die autofreie Brücke nur mit einen paar ebenso übermüdet wirkenden Fotografen – das Meer an Touristen und Händlern schläft noch. In Ruhe kann man den Möwen, Schwänen und Enten auf der Moldau zu sehen, und die einzelnen Statuen inspizieren, von denen manche noch geschwärzt von der Industrie früherer Tage sind.

In der Mitte der Brücke befindet sich der heilige St. Johannes von Nepomuk, bei dem es Glück bringt, ihn zu berühren. Mit Handschuhen funktioniert das natürlich nicht.

Bei Sonnenaufgang ergeben sich schöne Fotomotive mit den Statuen, dem Hradschin oder den vielen kleinen und großen Kupferkuppeln im Hintergrund.

Nach Sonnenaufgang ist schon deutlich mehr los. Die ersten jungen Musiker spielen bekannte Stücke, Händler verkaufen Emaille-Anhänger und fertigen Karikaturen an. Der Touristenstrom nimmt deutlich zu. Zeit zu gehen.

Rathaus, Altstadt und Alter Jüdischer Friedhof

Wer an das Rathaus gelangt, kommt an der weltbekannten astronomischen Uhr aus dem Jahr 1410 nicht vorbei – schon alleine weil sich dort morgens bis abends Menschengruppen türmen. Die Uhr ist über die Jahrhunderte gewachsen, musste schon mehrmals repariert werden und ist eine der Hauptattraktionen von Prag.

Die Prager Altstadt ist die älteste der vier Prager Städte (Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Hradschin), deren Zentrum der Altstädter Ring bildet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie dem Pulverturm. Dieser 65m hohe Turm am Platz der Republik in Prag wurde als Teil des ehemaligen Königshofes im 15. Jahrhundert errichtet. Er erhielt seinen Namen durch die Lagerung vonSchwarzpulver zu dieser Zeit.

In der Nähe werden Oldtimerfahrten angeboten. Einerseits hat das irgendwie Stil, andererseits sind die Oldtimer so hochglanzpoliert, dass man sich eher wie in einer Disneylandschaft fühlt. Die Vielzahl der Fahrzeuge deuten an, dass es einen Markt für dieses Angebot gibt.

Nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt liegt der Alte Jüdische Friedhof, der zu den größten und bedeutendsten zählt, die heute noch erhalten sind. Die kreuz und quer liegenden Steine und Grabplatten bilden ein imposantes Gebilde, dass durch Aufschütten im Verlauf mehrerer Jahrhunderte entstanden ist.  Doch nicht nur der Friedhof als solcher ist eine Kulturdenkstätte ersten Ranges, sondern auch die Aufschriften und Symbole der Gräber sind wichtige Zeugen des vergangenen Lebens im Prager Ghetto.

Prager Metronom

Wer dem Trubel der Altstadt ein wenig entgehen möchte, überquert die Moldau auf einer der unzähligen Brücken. Frühmorgens oder spät am Abend lohnt sich ein Aufstieg zum Prager Metronom oder zu den nahe gelegenen Gärten. Von dem Hügel ergibt sich im morgigen Gegenlicht oder abends zum Sonnenuntergang ein Panoramablick auf die Stadt, die Moldau, und die Brücken.
Wer den Fußmarsch scheut, kann auch die Straßenbahn dahin nehmen. Ich finde, die Straßenbahn gehört zum Prager Stadtbild, wie bei kaum einer anderen Stadt. Besonders gefallen mir die alten Wagenmodelle, in silber und weinrot, mit einem klassischen Design. Erinnert mich an die Diesellok V200. Ich finde, alle Transportmittel sollten diesem Design angelehnt sein.

Das Kunstwerk, eine künstlerische Installation von Vratislav Karel Novák, hat mir nicht gefallen, und irgendwie ließ es sich auch nicht ablichten. Schön ist der Blick auf die Stadt; insofern lohnt sich der Aufstieg.

Von dem Metronom bietet es sich an – je nach Tageszeit – entlang der Donau fussläufig zu der Kleinseite und zum Hradschin zu laufen.

Palais Schwarzenberg, Hradschin und Veitsdom

Auf der Kleinseite angekommen, ist der Weg zur Burgstadt, dem Hradschin, nicht weit. Der Aufstieg ist ein wenig anstrengend und verwinkelt, aber auch hier weisen die Touristenströme den Weg, und das im Winter!

Der Weg dorthin wird einem durch eine der vielen Trdelník Geschäfte versüßt – Trdelník ist ein traditionelles Gebäck aus der Slawakei, das vor Zucker nur so strotzt. Kleiner Tip: ein Trdelník reicht für mehrere Personen!

Oben angekommen, eröffnet sich ein großer Vorplatz, der Hradschin-Platz – mit Blick auf das Matthiastor und die Prager Burg. Die Touristenströme teilen sich hier auf, wobei ein Großteil sich zu einer Warteschlange für die Prager Burg formiert. Mit knapp 2 Mio Besuchern pro Jahr ist die Burg das meistbesuchte Baudenkmal Tschechiens.

Nicht weit entfernt fällt ein Gebäude mit einer sonderbaren Fassade auf: Das Palais Schwarzenberg. Die Wände sind bemalt und täuschen Natursteinmauerwerk mit Diamentquadern vor. Diese Art der Mauerbemalung muss man schon gut finden. Heute dienen die Räumlichkeiten einer Kunstgalerie.

Neben dem Erzbischöflichen Palais und der Prager Burg befindet sich auch der Veitsdom, der aufgrund der engen Gegebenheiten nur mit einem extremen Weitwinkelobjektiv eingefangen werden kann. Der Dom im Stil der Spätgotik ist die Kathedrale des Erzbistums Prag und das größte Kirchengebäude Tschechiens.

Wer noch nicht genug gelaufen ist, kann eine der südlichen Brücken wieder über die Moldau zurück Richtung Alstadt nehmen.

Tanzendes Haus und Wenzelsplatz

Am Ende der Brücke fällt ein Gebäude auf, dass aufgrund seiner geschwungenen Form und den lustig angeordneten Fenstern an Hundertwasser erinnert. Wer seinen Blick ein wenig schärft, der erkennt eine Tänzerin mit einem gläsernen Faltenkleid, die sich grazil an einen Herren mit Hut schmiegt. Aus diesem Grund wird das Haus auch Ginger und Fred genannt.

Tatsächlich ist der Bau – genannt Tanzendes Haus – aus dem Jahr 1996 nur ein Bürogebäude vieler multinationaler Firmen des kanadischen Architekten Frank Gehry. Hübsch anzusehen ist es aber allemal.

Fazit 48 Stunden Prag

Prag ist immer eine Reise wert, und nicht nur wegen des wirklich sehr leckeren Biers. Ich jedenfalls fühle mich da wie zu Hause. Erschreckend ist jedoch, dass es selbst in einer recht kleinen Stadt wie Prag und zudem in der Winterzeit es zu einer hohen Frequenz asiatischer Reisegruppen kommt. Wie es dann im Sommer sein muss, mag ich mir gar nicht ausmalen.

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