Blick auf das Steinerne Meer vom Dachstein

Wer vor einer Wanderung in den Bergen steht, sei es eine lockere Tagestour oder mehrtägige Hüttentour, steht als Fotograf – ambitioniert oder professionell – vor der Frage, was alles in den Rucksack muss. Kamera, Objektive, Stativ, Filter und weiteres Zubehör stehen auf der Wunschliste. Nachfolgend ein kleiner Ratgeber, was mit muss und was nicht.

Reisefotografie in den Alpen. Wieder einmal sind wir die Tage in den Alpen unterwegs gewesen, und hatten uns im vorhinein Gedanken gemacht, was wir fotografieren und mitnehmen wollten. Fotografieren wollten wir Panoramen, Einzelshots und Zeitraffer – meist am Tag.
Was also mitnehmen? Wer Gipfel stürmen möchte, der muss das eine oder andere Equipment zu Hause lassen.

DSLR, DSLM oder Kompaktkamera?

Nachdem wir nun einige Bergwanderungen auch mit Übernachtung auf Hütten gemeistert haben, ist unsere Empfehlung: Lasst die schwere Spiegelreflexkamera (DSLR) zu Hause! Das Gewicht vom Rucksack ist gerade bei längeren Touren entscheidend, da zählt jedes Gramm! Auch gerade mit der neulichen Produktoffensive von Nikon und Canon sind spiegellose Kameras (DSLM) inzwischen so gut, das die Mitnahme einer DSLR nicht lohnt. Und selbst mit einer Kompaktkamera sind ansprechende Ausdrucke in passabler Größe möglich.


Objektivauswahl für Bergtouren

Soll ich das Tele zu Hause lassen? Welche Objektive kommen mit? Wer Murmeltiere, Milane oder Gleitschirmflieger auf Bergtouren formatfüllend fotografieren, lustige Ultraweitwinkelaufnahmen von Kühen machen oder spätabends das Alpenglühen freihand fotografieren möchte, kommt um einen großen Objektivpark zum Mitnehmen nicht herum. Das kann man machen. Dann bleibt aber nicht mehr viel Platz für Hüttenschlafsack, Getränke, Snacks, Notfallpack, trockene Wechselkleidung, Regenkleidung und weiteres. Von dem Gewicht habe ich jetzt noch gar nicht gesprochen.
Ein Standardzoom-Objektiv ist hier unsere Empfehlung oder ein Weitwinkel mit 24mm Brennweite oder weniger. Es muss nicht mal so lichtstark sein, denn dann wird es wieder schwer. Licht gibt es in den Bergen meist genug.

Stativ mitnehmen oder nicht?

Stative sind schwer, und es gibt in den Bergen kaum einen Grund, ein normales Reisestativ, sei es noch so leicht, mitzuschleppen. An den meisten Stellen lassen sich Steine stapeln oder so ausrichten, dass diese gut als Stativersatz dienen. Ein kleines Mini-Stativ kann es dann aber doch sein wie beispielsweise das Manfrotto Mini-Pixi Evo. Hier haben wir es gestetet. Das Stativ ist aus Kunststoff, und damit ist es recht leicht, und das ist wichtig für Bergtouren. Ideal für kleine Zeitrafferaufnahmen oder V-Log. Von den Clamp-Gorilla-Dingern halten wir nicht so viel, weil die eine schwere Kamera nicht so gut halten können und die Gegebenheiten während der Tour (keine Bäume, Zäune, evt. Befestigung am Gipfelkreuz) nur eine eingeschränkte Befestigung ermöglichen. Es gibt aber auch inzwischen Alternativen wie das Lammcou 3in1 Ministativ – hier haben wir aber noch keine eigene Erfahrung sammeln können.


Filter mitnehmen?

Wer in RAW fotografiert, muss nicht unbedingt einen Filter mitnehmen. Dieses Geschraube kann ja auch ziemlich nerven, und wer hat schon für alle Objektivdurchmesser das XUME Magnetsystem parat. Hier wird beispielsweise umfassend erklärt, wann ein zirkulärer Polfilter Sinn macht. Unsere Erfahrungen sind recht ähnlich, vermutlich würden wir aber das eine oder andere mal mehr zu einem Polfilter greifen, beispielsweise wenn der Bergsee spiegelt. Für Zeitraffer, Wasserfälle etc. genügen Neutraldichtefilter ND3.0 und ND 1.8 vollkommen aus.

Batteriegriff

Ein zusätzlicher Batteriegriff nimmt Platz weg und macht den Rucksack unnötig schwer. Ein zweiter, und vielleicht sogar ein dritter Akku sollten aber dabei sein  – gerade bei einer Hüttentour sind die Steckdosen in den Hütten rar und manche Tage mussten wir schon ohne nächtliches Aufladen auskommen.


Kamera immer griffbereit

Berge rennen nicht weg. Kühe, Gämse und Murmeltiere manchmal schon. Und auch sind die schönsten Fotomotive nicht gerade da, wo man Pause macht. Normalerweise gehört die Kamera in eine Kameratasche und diese in den Rucksack. Da ist sie gut geschützt und baumelt nicht irgendwie beim Wandern herum. Das ist jedoch ziemlich unpraktisch – ah ein schönes Motiv, Rucksack absetzen, Rucksack öffnen, Kameratasche herausholen, Kameratasche öffnen … da vergeht einem schnell die Lust am Fotografieren während des Wanderns.
Aber es gibt eine gute Lösung: Der Peak Design Capture Clip Pro. Wir haben diesen getestet und für ziemlich gut in der Praxis befunden. Die Kamera ist sicher verankert (auch bei Klettertouren), und an dem Brustgurt baumelt diese auch nicht hin und her. Den Clip gibt es inzwischen in der 3. Version.
Für Kameras mit einem Gesamtgewicht von über einem Kilo gibt es andere Lösungen wie beispielsweise externe Taschen mit Hüftgurt. Die Cosyspeed Camslinger Outdoor  ist nicht zu groß, nicht zu klein und läßt sich mit einer Hand bedienen. Die Tasche wurde von dem Kletterer, Fotografen und Youtuber Stephan Wiesner mitentwickelt, hier geht er kurz darauf ein. Wer jedoch mit Wanderstöcke nutzt, für den ist die Lösung eventuell nicht so gut. Die seitlich angebrachte Tasche kann da stören. Muss jeder mal für sich ausprobieren.

Weiteres Zubehör

Bis auf den üblichen Hama Lenspen Reinigungspinsel, um Objektive von Staub und Schmutz zu befreien, wird eigentlich nichts weiter benötigt.

Fotokameras als Begleiter für Alpentouren

Der fototechnische Begleiter soll klein und kompakt sein, dabei nicht viel wiegen und eine sehr gute Bildqualität liefern. Nachfolgend eine Auswahl an Kamera-Objektiv-Kombinationen, die für diese Anforderungen sinnvoll erscheinen.

  • Sony Alpha 7 III mit Sony 16-35mm f2.8. Mit einem Gewicht von 1330g sicherlich eher für Tagestouren gedacht, auch eine recht preisintensive Kombination. Wer keinen Zoom benötigt und die Aufnahmen mit einer klassischen Weitwinkelbrennweite machen möchte, dem sei das ZEISS Batis 25mm f2.0 E-mount empfohlen. Die Kombination wiegt etwas über 1kg, man bekommt dafür mehr Lichtstärke und es ist wesentlich günstiger.
  • Nikon D5600 mit Sigma 18-35mm f1.8. Die Kombination ist wesentlich günstiger, und mit 1225g in etwa gleich schwer wie die Sony-Kombi. Eigentlich würden wir von der Funktionalität eine Nikonkamera der Serie D7xxx empfehlen, diese sind aber vom Gewicht her mindestens 200g schwerer beim identischen oder vergleichbaren Bildsensor. Wer nicht das letzte Quäntchen an Bildqualität braucht, der kann auch zur Nikon D3500 zusammen mit dem Sigma 17-50mm f2.8 greifen. Das Gesamtgewicht reduziert sich damit auf unter einem Kilogramm, und obendrein ist diese Kombination auch recht günstig. Wir haben zwar anfangs von einer DSLR abgeraten, aber Größe und Gewicht scheinen hier noch passabel zu sein.
  • Sony Alpha 6500 mit Sigma 16mm f1.4. Die Kombination ist nicht ganz günstig, dafür aber recht kompakt und 848g auch leicht. Leider ist man mit der Festbrennweite recht eingeschränkt. Etwas leichter, dafür aber preisintensiver wäre das ZEISS Batis 18mm f2.8.
  • Panasonic G9 mit Panasonic 12-35mm f2.8. Wer nicht so tief in das Portemonnaie greifen möchte, der kann auch zur Panasonic G81 greifen. Diese ist wettergeschützt und ideal für Zeitraffer und V-Log. Die letzte Kombination hat den kleinsten Sensor mit der kleinsten Auflösung, ist dafür aber mit 810g leicht und kompakt.

Wer das Gewicht nicht scheut und gerne schleppt, dem sei folgende Kombination ans Herz gelegt:

  • Nikon D750 und Nikkor 24mm f1.8. Die Nikon D750 ist zwar schon einige Jahre verfügbar, der Sensor verfügt aber über einen ausreichend großen Dynamikumfang und ist sehr gut für Landschaftsfotografie geeignet. Das Nikkor Objektiv gibt es noch eine Blende lichtstärker, punktet aber nur wenig in besserer Bildqualität gegenüber dem 1.8er.

Fazit Reisefotografie Bergtour / Alpen

Für die einfachen Bergtouren an einem Tag empfehlen wir maximal zwei Festbrennweiten oder ein Universalzoom 24-70mm mitzunehmen, mit einem Gesamtgewicht von 1.25 kg für die Fotoausrüstung. Für Mehrtagestouren empfehlen wir ein Universalzoom oder ein, zwei Festbrennweiten mit einem Gesamtgewicht von unter 1kg. Ein kleines Tischstativ genügt, um die Kamera auf Steinhaufen für Zeitraffer, Vlogs oder ähnliche Aufgaben abzustellen.

Für Bergtouren gilt es abzuspecken, und zwar an Fotoausrüstung. Nur das Nötigste mitnehmen. Am besten eine Kamera, ein Objektiv. Ein extra Befestigungsclip oder eine Gürtelkameratasche erlauben einen schnellen Zugriff auf die Kamera. Keinen unnötigen Schnickschnack mitnehmen, sondern konzentrieren auf das Wesentliche.

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