Wer das Thema Fotografie für sich entdeckt, wird sich eines Tages für eine bestimmte Marke und dann auch für eine Sensorgröße – sprich System – entscheiden. Muss es denn immer das Vollformatsystem (Nikon FX) sein oder reicht der APS-C Sensor (Nikon DX) für die Bedürfnisse aus?

Wie bei allen Aspekten richtet sich die passende Auswahl an Fotoequipment nach dem persönlichen Bedarf. Was mache ich mit den Fotos? Für Instagram, 500px und co? Für die eigene Webseite? Mache ich ein Fotobuch, oder brauche ich die Auflösung für ein Poster oder für ein Plakat? Bin ich Sportfotograf, Landschaftsfotograf, Wildlifefotograf oder Hochzeitsfotograf? Nehme ich die Kamera auf eine Alpentour mit? Mache ich Streetfotografie oder 4K Videos?
Jede dieser Aufgaben stellt unterschiedliche Anforderungen an die jeweilige Kamera. Es gibt keine Kamera, die alle Anforderungen gleichermaßen gut erfüllt. Auch ist der alte Grundsatz, dass größere und schwerere Kameras bessere Bildqualität liefern wegen der spiegellosen Kameras (DSLM) nicht mehr gültig. Eine allgemeine Empfehlung für eine Kamera oder ein System zu geben, ist deshalb nicht seriös. Auch können wir für die jeweilige Aufgabe keine Empfehlung geben, da wir selbst nur einen Teil der Aufgaben abdecken.

Kameramarkt

Anders als manchmal behauptet, glaubt die Marke Nikon an den Fortbestand beider Systeme. Das beweist der kürzliche Marktstart der beiden Spitzenkameras in dem jeweiligen Segment. Und trotz sinkender Verkaufszahlen hat Nikon es geschafft, seinen Gewinn zu stabilisieren, auch wenn die Anzahl der neuen Kameras pro Jahr merklich nachgelassen hat. Nikon investiert aktuell auch in andere Branchen, um weniger von dem Kameramarkt abhängig zu sein. Außer Nikon, bieten die Hersteller Sigma, Tokina, Tamron, Zeiss neben anderen Objektive für Nikon-Kameras an. In der Summe wird die Marke Nikon sicherlich noch viele Jahre fortbestehen.

Nikon DX oder FX

Nikon nimmt auf seinem Internetauftritt selbst die Einteilung vor, dass das DX System vorzugsweise für Einsteiger und Enthusiasten und das FX System für Enthusiasten und Profis gedacht ist. So ist auch entsprechend die Preispolitik.

Die aktuell verfügbaren Nikon DX Kameras haben eine maximale Auflösung von 24 MPix. Die letzten beiden Modelle Nikon D500 und Nikon D7500 sogar noch weniger. Nikon stellt sich hier gegen den Trend und schraubt lieber am Signal-/Rauschverhältnis, sprich der ISO-Empfindlichkeit.

Mit dem Marktstart der Nikon D850 hat der Hersteller gezeigt, welche Pläne er für sein Spitzenmodell hat: 46 MPix Auflösung. Gut für hochaufgelöste Landschaften und Portraits, und nachfolgendem postergroßen Druck. Oder auch für das Croppen. Fast schon ein Schritt Richtung Mittelformat. Leider wurden die Enthusiastmodelle Nikon D610 und Nikon D750 lange nicht mehr gepflegt. Laut einer Verkaufsstatistik einer der größten Kamerahändler in Japan scheint ein Update für den Hersteller auch nicht notwendig, da die 4 (!) Jahre alte Nikon D750 immer noch auf Platz 3 rangiert.

Im Durchschnitt sind die FX Kamerabodies teuer und schwerer, bieten dafür aber mehr Leistung.

24mm oder weniger – Landschaftsfotografie

DX: Leider gibt es auf DX Seite kein Spitzen-Objektiv mit 16mm Brennweite oder weniger. Etabliert hat sich hier Tokina, die mit dem  Tokina AT-X 11-16mm f2.8 Pro DX II und dem Tokina AT-X 11-20 f2.8 Pro DX gleich zwei sehr gute, aber nicht überragende Objektive anbieten.

FX: Auf FX Seite wäre das Nikkor AF-S 14-24mm f2.8G ED die erste Wahl. Ein schweres und teueres Trumm. Als Festbrennweite gibt es inzwischen das Nikkor AF-S 20mm F1.8 und das Sigma 24mm F1.4 als Alternative, beides sehr gute Objektive.

Die FX Objektive sind fast doppelt so schwer und bis zu dreimal so teuer im Vergleich der Zooms. Die die FX Festbrennweiten sind  30% teurer und ähnlich schwer wie die DX Tokinas.

35-50mm Reportage oder Porträt

DX: Je nach Anwendung hat sich das Sigma 18-35mm F1,8 DC HSM bewährt. Ein Spitzenklasseobjektiv! Das Sigma hat einen recht kleinen Brennweitenbereich, den vermutlich nicht jeder mag. Die Schärfe des Objektiv ist aber über jeden Zweifel erhaben. Alternativ gibt es das Sigma 17-50mm f2.8, allerdings nicht als Art-Objektiv. Dafür ist es ausgesprochen günstig bei einer passablen Leistung.

FX: Aufgrund der Vielzahl der Objektive lassen sich kaum Kandidaten für einen Vergleich heranziehen. Das Sigma 50mm F1.4 Art ist ein äußerst beeindruckender Kandidat. Das Sigma 24-35mm f2 ist auch sehr gut, wegen des knappen Brennweitenbereichs auch nicht für jeden Einsatz geeignet. Der Standard von Nikon ist das Nikkor AF-S 24-70mm f2.8G Objektiv.

Vom Gewicht nehmen sich die beiden FX/DX Kandidaten nicht viel, die FX Objektive sind aber teilweise erheblich teurer.

70-200mm Sport, Wildlife und anderes

DX: Die erste Wahl fällt auf das Nikkor AF-S 70-200 f4 ED VR. Dieses recht preisintensive, schwere Zoom hat einen erstklassigen Bildstabilisator. Die Bilder sind knackig scharf. Eine Alternative wäre das Sigma 50 -100 f1.8 . Unglaublich scharf, aber mit weniger Brennweite.

FX: Auch für FX ist die erste Wahl das Nikkor AF-S 70-200 f4 ED VR, da es kleiner und leichter als der große Bruder ist, und im Endergebnis genauso scharf mit ein bisschen weniger Kontrast. Die Alternative ist das Nikkor AF-S 70-200 f2.8.  Dieses recht preisintensive, schwere Zoom wurde noch einmal verbessert.

Sicherlich sollte man an dieser Stelle nicht vergessen, dass der Bildausschnitt beim DX und FX beim gleichen Objektiv unterschiedlich ist, so hinkt der Vergleich ein wenig, das gleiche Objektiv für zwei System zu favorisieren. Auch hier ist es möglich, für FX mehr Gewicht zu tragen und mehr Geld auszugeben.

Was brauche ich?

Die oben genannten Brennweiten und Objektive sind nur eine kleine Auswahl von über 200 Objektiven für das Nikon System. Wer selbst ein wenig auf Objektivsuche gehen mag, findet auf der Seite DXOMark viel Information.

Tendenziell sind FX Objektive größer, schwerer und teurer als DX Objektive.

Ganz allgemein kann mit beiden Systemen alles fotografiert werden. Der FX-Sensor bietet aufgrund seiner Größe bessere Freistellmöglichkeiten, und lichtstarke, für FX gerechnete Objektive, verstärken diesen Effekt. FX ist im allgemeinen prima für Portraits geeignet. Und FX rauscht weniger bei Nacht oder in der Astrofotografie. Wie groß der Unterschied im Rauschen tatsächlich ist, zeigt dieser Test. So kann ich in schwierigen Lichtsituationen den ISO Wert stärker aufdrehen, wenn ich ohne Stativ unterwegs bin. Dafür gibt mir das DX System eine Brennweitenverlängerung um den Faktor 1.5. Das ist hilfreich z.B. bei Sport- oder Wildlifefotografie.

Trends

Den meisten Fotografen ist eine sehr gute Bildqualität wichtig, und darunter werden vornehmlich Auflösung, Schärfe und Kontrast verstanden. Lichtstarke Objektive werden auch gerne genannt oder auch mit Hilfe des Bildstabilisators möglichst lange Freihand – ohne Stativ – zu fotografieren.
Als Kameras mit immer größerer Auflösung auf den Markt kamen, wurde dieser Trend skeptisch beurteilt. Heute wird ein hochauflösender Sensor mit der Möglichkeit später zu croppen verargumentiert. Das könnte an dem verloren gegangenen Talent liegen, den richtigen Bildausschnitt direkt bei der Aufnahme festzulegen.
Gewicht und Größe haben in kürzerer Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen. SonyFuji, Panasonic und Olympus haben es mit der Einführung der spiegellosen Kameras geschafft, diesen Trend zu bedienen. Die Kameras sind damit transportabler geworden, und man nimmt sie gerne mit. Das alte große Trumm bleibt damit zu Hause.

Argumente für Nikon FX

  1. Lichtstärkere Objektive. Die kann ich genauso für DX nehmen, nur die Brennweite ist durch den Cropfaktor eine andere.
  2. Besseres Freistellpotenzial. Das stimmt! Eine kleine Schärfentiefe hängt neben der Offenblende des Objektivs auch von der Sensorgröße ab.
  3. Weniger Rauschen durch größeren Sensor. Das stimmt! Einen Unterschied macht das bei schlechten Lichtverhältnissen und metergroßen Wandausdrucken, das stärkere Rauschen fällt kaum auf. Vor allen Dingen nicht, wenn der Direktvergleich fehlt.

Argumente für Nikon DX

  1. Schont den Rücken. Tatsächlich sind die meisten Gehäuse für DX kleiner und leichter als FX. Bei den Objektiven verhält sich das analog.
  2. Schont das Portemonnaie. Die Kameragehäuse und Objektive sind zumeist günstiger als bei FX.
  3. Näher am Objekt. Die Brennweitenverlängerung (Cropfaktor 1.5) ist für entferntere Objekte besser geeignet.

Fazit

Bei diesem Vergleich gibt es keinen Testsieger.

Der Anwendungszweck der beiden Systeme überschneidet sich. Jedes System hat seine Stärken und Schwächen. Es ist wichtig zu wissen, was man fotografieren möchte, wie man fotografiert und welche Brennweite man mag. Daraus ergibt sich dann die Notwendigkeit für das eine, das andere oder beide Systeme.

Falls Dir dieser Test gefallen hat, unterstütze Magmafoto mit einem der Amazon-Links. Wenn Du darüber bestellst, dann kostet Dich das nichts extra, aber ich bekomme eine Provision.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.