Keyboard
Seit mehreren Jahren bearbeite ich RAW Fotos mit Lightroom. Mehr als 2 Jahre nun auf einem 5k iMac. Ist der iMac genauso fix und ist der Workflow der gleiche wie auf dem zuvor hochgerüsteten PC?

PC zur Lightroom Bearbeitung

Jahrelang hat ein PC unter Windows 7 seinen Dienst getan. Im Gehäuse brummte ein Intel 3770k, der auch mit 4.4 GhZ übertaktet gut lief und von der Leistung an den 4790k herankam. Fotos mit 6000 x 4000 Pixeln lagen auf einer SSD und konnten schnell importiert, bearbeitet und exportiert werden. Die Schieberegler funktionierten ohne Verzögerung, der Zoom funktionierte direkt. Alles lief „smooth and flawless“. Nur für große Panoramas (60-120 MPix) brauchte der Rechner ein bisschen Bedenkzeit.

Gründe für den Umstieg PC zu Mac

Lange Zeit wollte ich nicht umsteigen: Es gab zuviel Software, die ich brauchte und auf einem Mac nicht lief. MacOS wirkte immer noch unausgereift gegenüber Windows, und besonders gegenüber Windows 7, das lange Zeit stabil lief. Anfang des Jahres 2016 war dann der Zeitpunkt Umstieg gekommen:

  • Ich wollte eine All-in-One Lösung wie den iMac.
  • Das 5K Display ist „amazing“.
  • Durch das preislich attraktive Adobe Abo für Fotografen gab es nur noch 1-2 Programme, die ich auf Windows brauchte.
  • Zur Not läuft Windows auf dem Mac.
  • Ein Großteil meiner Daten sind Fotos, Videos und Musik und diese Dateien sind auf einer NAS betriebssystemunabhängig untergebracht.
  • MacOS Yosemite war gegenüber Windows 10 das erste Betriebssystem wo ich dachte: Hey, das ist ausgereift und viel besser als Windows!
  • Integration zum iPhone – ein Kalender, ein Adressbuch etc.
  • Langzeitnutzen: Ich kenne ein Macbook Air von 2011, das heute – also vier Betriebssysteme später – genauso flutscht wie am ersten Tag.

Gründe gegen den Umstieg PC zu Mac

Never change a running system! – wie oft hat sich das schon bewahrheitet! Natürlich sprachen auch einige Aspekte gegen einen Umstieg:

  • Eine zusätzliche Investition für eine externe Festplatte Lacie Porsche Design ist notwendig.
  • Die im iMac eingebaute SSD ist schnell aber teuer und nur begrenzt groß.
  • Der 5k iMac ist sehr teuer.
  • Gefangen in der Apple Welt.

5k iMac Kauf und Erfahrung nach 2 Jahren

Ich habe mich für den iMac (Modell Late 2015) entschieden. Größter Prozessor, größte Grafikkarte, kleine interne SSD, kleinster RAM. Den RAM habe ich nachträglich auf Maximalstufe selbst aufgerüstet, das ist bekanntlich deutlich günstiger. Eine externe SSD habe ich per TB angebunden.

Ich habe den Umstieg zum Mac nicht bereut.

  • Wechsel von zwei 24″ Monitore auf einen 27″ 5K Monitor. Seit Jahren benutze ich Zwei-Monitorlösungen und halte diese privat als auch beruflich für eine gute Lösung, um effizient zu arbeiten. Ein 5K Monitor selbst kann das nicht kompensieren, aber die Kombination mit dem Betriebsystem und der Wischgeste auf dem Magic Trackpad 2 können das. Ich vermisse den zweiten Monitor am Mac nicht mehr.
  • Die Sache mit der Registry hat sich erledigt, und de-installierte Programme sind auch wirklich weg. Als Mac-Anwender muss man sich einfach weniger mit den Quärelen des Betriebssystems kümmern. Updates sind bis heute immer problemlos verlaufen. Irgendwann vergisst man auch schnell, was das bei Windows bedeutet. Mit Windows 10 ist das aber auch nicht anders.
  • Der 5K Monitor ist brillant, das Design ist ansprechend und der integrierte Rechner ist eine Freude und hat genug Bumms, um auch 4K Videos zu schneiden.
  • Warum die vier USB Anschlüsse auf der Rückseite liegen, ist dem Design geschuldet, ok. Ist aber absolut unpraktisch, noch heute ist das eine Fummelei. Das gleiche gilt für die Kopfhörer und den SD-Card Slot. Das nervt.
  • Magic Keyboard und Magic Trackpad funktionieren ohne Verzögerung und der Akku hält richtig lange.
  • Der Mac dreht auch unter Last relativ spät hoch. Das Geräusch würde ich nicht als unangenehm beurteilen.
  • Der Monitor lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Der Twelve South HiRise Monitor Ständer, auch wieder nicht ganz billig für ein bissl Alu, bietet Abhilfe.

Das Betriebsystem ist sehr gut, aber nicht perfekt.

  • Für einen Screenshot gehe ich in Windows auf die Keyboard „Drucken-Taste“, kopiere dies in Irfanview, schneide das Bild zurecht und gut ist. Beim Mac muss ich Mac-Shift und „4“ drücken, das kann ich mir nicht merken. Das Bild liegt dann auf dem Schreibtisch zur Weiterverarbeitung.
  • In der Listen- und Spalteverzeichnis-Ansicht geht „Neuer Ordner anlegen“ über das Kontextmenü nicht. Das finde ich nach wie vor unlogisch.
  • Ich nutze Freefilesync. Umlaute werden von Windows und Mac Filesystem unterschiedlich interpretiert. Das führt auch heute noch zu Sync-Problemen mit dem NAS.
  • Werden Netzlaufwerke beim Start als Anmeldeobjekte eingebunden, öffnen sich automatisch die jeweiligen Fenster. Das nervt. Das konnt ich erst mit einem Workaround beheben.
  • Die Konfigurationsmöglichkeiten von Time Maschine sind mir zu rudimentär.
  • Ich benutze eine normale PC Maus mit rechter und linker Maustaste. Damit ging die Gewöhnung an den Mac schnell.
  • MacOS bootet schnell hoch. Ist aber heute bei Windows 10 nicht anders.
  • Windows 10 Redstone läuft auch auf dem iMac flüssig und stabil. Lediglich die Mac Laufwerke waren nach dem Anniversary Update auf die Built 1607 weg. Mit der Installation der Original Bootcamp Windows Treiber 6.0 (von Yosemite) und Einträgen in der Registry (!) konnten diese wieder sichtbar gemacht werden.

Performance von Lightroom Classic 7.2

Kommen wir nun zum wichtigsten: Die Lightroom Performance. Im iMac werkelt die damals (Late 2015) potenteste Grafikkarte mit größt möglichen Speicher. Die eingebaute SSD ist im M.2 Formfaktor und läuft dabei 2-3x schneller als eine herkömmliche SSD, selbst wenn diese über Thunderbolt angebunden ist. Katalog, Vorschau und RAW Dateien sind auf der SSD. Grafikbeschleuigung in Lightroom ist an, Vorschau ist auf 2880 Pix eingestellt.

Drei Elemente sind im Workflow von LR wichtig: Import, Bearbeitung, Export. Für den Import und Export stehe ich weder unter zeitlichen Druck, noch habe ich Massen an riesigen RAW-Dateien, die hier bremsen. Der mit der LR Version 7.2 eingeführte bessere Multi-Core Export ist nett, aber für mich nicht entscheidend. Bleibt noch die Bearbeitung:

  • Bilder der Größe 6000 x 4000 Pixel werden mit einer leichten Verzögerung von 1-2 Sekunden in voller Auflösung angezeigt (Fullscreen Taste F oder Zoom).
  • Panorama der Größe 18000 x 6000 Pixel. Die Anzeige bis zur vollen Auflösung beim ersten laden dauert ~10 Sekunden, Zoom in 1:1 dann nur 1-2 Sekunden.
  • Kataloggröße. Ich habe Kataloge mit 10.000 und mit 50.000 Bildern. Das macht keinen Unterschied.
  • Bei allen Bildern egal welcher Größe gilt: Das Scrollen der Bilder geht fix, die Regler zur Korrektur arbeiten direkt. Nur bei dem Pinsel ist ein Nachlaufen deutlich bemerkbar. Das gilt auch für eine intensive Benutzung der Bereichsreparatur. Das war in den vorherigen LR Versionen auch schon so. Vermutlich wird diese Funktion in der aktuellen LR Version immer noch nicht von der GPU unterstützt oder die GPU ist zu schwach.

iMac Late 2015, iMac Mid 2017 und iMac Pro

iMac Mid 2017: Laut einem Vergleich vom iMac Late 2015 zu iMac Mid 2017 ist der neue Rechner nur 8% schneller im Export (Q: AppleInsider). Hier bestätigt sich wieder, dass die CPU Taktrate entscheidend für die LR Performance ist. Zur Orientierung der Leistungsfähigkeit eines Systems hat sich CPUBenchmark als Quelle bewährt. Der iMac Late 2015 läuft mit einer i7 6700k CPU, der iMac Mid 2017 mit einer i7 7700k CPU (Q: Everymac). Ein Blick auf die Benchmarks bestätigt einen mageren Leistungszuwachs von genau diesen 8% (Vergleich der Geekbench Scores). Das bedeutet, dass sich die iMacs 2015/2017 kaum in der CPU Performance unterscheiden.

iMac Pro: Bis zur Veröffentlichung von LR Classic 7.2 war die maximale Taktzahl der CPU für den LR Import und Export entscheidend. So war es nicht verwunderlich, dass Systeme mit teureren Xeon-CPUs keinen wesentlichen Vorteil beim Import oder Export gebracht haben. Meist waren diese Systeme sogar langsamer, da die maximale Taktrate geringer ist.
Mit LR Classic 7.2 hat sich das geändert, da nun Multi-Core Systeme besser unterstützt werden.
Macht der iMac Pro für Lightroom nun Sinn? Die Antwort ist ja und nein. Nehmen wir ein iMac Modell mit einem 10-Core Xeon W-2150B. Beim LR Import und Export kommt nun der Multi-Core besser zum tragen. Auf Basis der CPU Benchmarks sollte Export, und zwar eher bei vielen Dateien, nur noch die Hälfte der Zeit beanspruchen. Reale Test zeigen ein Zeitvorteil von bis zu 30% (Q: MacPerformance). Also ja; der iMac Pro ist schneller. Und nein; wer nicht täglich hunderte von Fotos exportiert, für den lohnt sich das Investment hinsichtlich iMac Pro vermutlich nicht (bzgl. Videoschnitt sieht das anders aus.)
Wer die Leistung benötigt, aber keinen Mac, dem sei die Konfiguration von G.Wegner empfohlen, der aktuell einen neuen leistungsstarken PC zusammengeschraubt hat. Den gibt es auch von Kiebel in ähnlicher Konfiguration fertig zusammengebaut.

Fazit

Der 5K iMac hat genügend Leistung für eine Bildbearbeitung mit Lightroom Classic 7.2. So zumindest bei RAW Dateien bis 24MPix. Auch größere Dateien werden, nachdem sie einmal geladen wurden, verzögerungsfrei angezeigt. Einstellungen der Schieberegler werden ohne merkliche Verzögerung umgesetzt. Nur beim Pinsel und einer vielfältigen Nutzung der Bereichsreparatur kommt es zu merklichen Verzögerungen. Ich finde das verschmerzbar.

Ich habe den Umstieg auf den Mac nicht bereut. Das 5k Display bereitet mir jeden Tag Freude. Was natürlich außer Frage steht, ist das Preis-/Leistungsverhältnis. Ein PC mit einem 5K Monitor ist sicherlich günstiger und auch performanter als die iMac Lösung. Dafür ist der iMac leise, lässt sich hübsch ansehen und Rechner und Display kommen aus einem Guss. Lightroom läuft in der aktuellen Version 7.2 smooth and flawless.

3 Kommentare
  1. Thomas
    Thomas sagte:

    Hallo!

    Ich überlege mir auch in kürze einen iMac zuzulegen und freue mich bei meiner Suche nach Erfahrungsberichten eine so ausführlichen und ehrlichen Beitrag wie diese hier zu finden. Vorwiegend möchte ich den iMac für die Fotoverwaltung und Bearbeitung nutzen (Bildgröße i.d.R. 6000x4000px).
    Was mich noch interessieren würde ist, ob das glänzende Display in der Praxis sonderlich auffällt bzw. stört? Des Weiteren würde mich interessieren wie die farbtreue des iMac Displays ist, da ich auch schonmal gelesen habe, dass die Farben wohl zu „knallig“ dargestellt werden sollen.

    Schöne Grüße, Thomas

    Antworten
    • admin
      admin sagte:

      Moin,
      also das glänzende Display stört mich nicht – ich habe aber auch kaum Sonneneinstrahlung, da ein Plissee auf der Arbeitshöhe den Monitor vor direktem Licht schützt. Direktes Bürolicht gibt es nicht. Zur Farbkalibrierung nutze ich den Datacolor Spyder 5 Pro. Der korrigiert meiner Meinung nach ziemlich zuverlässig. Wenn die Bearbeitung nicht 1:1 für professionelle Drucke genutzt wird, ist das glaube ich zu vernachlässigen.

      Gruß, eccolo

      Antworten
      • Thomas
        Thomas sagte:

        Danke für deine Antwort, hat mir bei meiner Entscheidungsfindung weitergeholfen.
        Da ich beim Aufstellen des Geräts ein bisschen „Spielraum“ habe, hoffe ich, dass Spiegelungen auch bei mir kein Problem darstellen sollten. Mit kleineren Abweichungen bei der Farbwiedegabe kann gut leben, ist schließlichßlich ein Hobby bei mir. Aber ein Colorimeter werde ich mir dann trotzdem besorgen.

        Gruß, Thomas

        Antworten

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