Island Gletscher

Island. Endlose, unberührte raue Natur locken und laden zum fotografieren und verweilen ein. 12 Tage hatten wir Zeit, das Land von Feuer und Eis zu entdecken. Bei einem strammen Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt machen wir uns auf Entdeckungstour.

Island reiht sich in die Gruppe von Ländern ein, wo es schwer ist, mit langweiligen Fotomotiven nach Hause zu kommen. Andererseits sind viele Fotolocations so abgegrast, dass ein individuelles Foto eine Herausforderung ist. Glücklicherweise waren wir recht ungebunden und konnten unsere Zeit auf der Tour frei einteilen.

Die meisten Touristen umrunden in weniger als einer Woche den Golden Circle, der einige, aber längst nicht alle Naturwunder zeigt. Die große Runde ist dann die Ringstrasse mit der Nummer 1, und es bleibt die Frage, ob diese mit oder gegen den Uhrzeigersinn verfahren werden soll. Wer viel Zeit mitbringt, kann auch den nordwestlichen Zipfel erkunden.

Fotoausrüstung für Island – ist weniger mehr?

Wer nach Island fährt, möchte vorwiegend Landschaften fotografieren. Aber was genau? Langzeitbelichtung, Zeitraffer, Filmen? Berge, Gletscher und Eis oder Vögel, Schafe und Wale?

Die Auswahl an Fotoequipment muss jeder für sich selbst treffen.

  • Stativ. Muss mit. Und zwar nicht das leichte Reisestativ, sondern das schwere. Warum? Weil es auf der Insel windet und stürmt.
  • Weitwinkel 20-24mm. Mit f2.8 oder besser. Für alle Landschaftsaufnahmen ein Muss. Ein sehr willkommene Brennweite auch zur Zeit der Nordlichter.
  • Standardzoom wie ein 24-70mm. Zoom-Objektive geben auf Reisen viel Flexibilität. Da das Stativ dabei ist, und in den Sommermonaten die Sonne lange hell scheint, muss es nicht unbedingt das Lichtstärkste sein, auch wenn es natürlich bei Kontrast und Freihandaufnahmen hilft.
  • Telezoom wie ein 70-200mm. In f4.0 oder wer gerne Gewicht mitnimmt in f2.8. Damit ist man gut gerüstet. Dennoch kann es passieren, nicht alle Ansprüche abzudecken. Kleine Papageientaucher lassen sich meist nur aus der Ferne beobachten, da wäre sogar noch mehr Brennweite wünschenswert. Anders kann es beim Whale Watching sein; die Wale schwimmen manchmal unter dem Schiff durch.
  • ND-Filter. 64er, und 8er reichen aus. Ideal für Langzeit oder Zeitraffer. Wer in RAW fotografiert, braucht den Polfilter eher selten.

Snæfellsnes – ein Land im Land

Es lohnt sich, alleine auf Snæfellsnes zwei oder mehr Tage zu verbringen. Berge, Gletscher, Strand, Meer – hier gibt es ganz Island im Kleinformat. Vielfältige Wandertouren sind auch möglich, und die Region eignet sich sehr gut für Vogelbeobachter. Überall dominiert der Snaefellsjökull, Islands berühmtester Gletscher, die Landschaft. Wenn es einen Ort, der zum Verweilen und Wandern auf Island einlädt, dann ist das wohl hier.
Eines der schönsten, und am meisten fotografierten Motive ist die Gegend um den Berg Kirkjufall. Kirkjufall heißt zu deutsch Kirchberg und liegt in unmittelbarer Nähe zur Gemeinde Grundarfjördur. Mit einen 463 Metern Höhe ragt er markant aus der Landschaft heraus. Viele halten ihn auch für den schönsten Berg Islands. Der Kirkjufell und der gleichnamige Wasserfall Kirkjufellfoss schmücken regelmäßig die Topliste der Fotoportale. Kein anderer Berg wurde so häufig abgelichtet, kein anderer in so vielen unterschiedlichen Lichtstimmungen. Egal, ob bei Sonnenaufgang, mit Nordlicht, mit Sternenhimmel, im Nebel oder sonstige. Der Berg ist einfach immer ein geniales Motiv. Weitwinkel, Stativ und ein Graufilter sind ein Muss.


Goðafoss, Mývatn und Námaskarð – Schlammquellen

Die Region Mývatn ist eine Art Erholungsgebiet für die Isländer – was ein wenig merkwürdig klingt, denn scheint für den städtischen Europäer jeder Fleck auf Island wie ein Naherholungsgebiet. Diese Region ist geologisch aktiv, und bietet mit erloschenen Vulkanen und versteinerten Lavaskulpturen ausreichend Raum für Wandertouren und Fotomotive.

Der Goðafoss ist eine der spektakulärsten Wasserfälle Island. Er ist außergewöhnlich breit und das Wasser strömt in rasender Geschwindigkeit über eine Reihe spitzer Felsen, was sich in einem feinen Sprühnebel bemerkbar macht. Besonders ist außerdem, dass der Wasserfall einmal von oben und von unten begangen werden kann.

Ein Ausflug zu den Fumerolen und Schlammquellen von Námaskarð lohnt ebenfalls. Überall blubbert und brodelt es. Aus gehäuften Steinhaufen kommt heißer Dampf, der nach faulen Eiern stinkt. Wer ein wenig Zeit mitbringt, kann den nahe gelegenen Berg besteigen, und bekommt so einen fantastischen Ausblick nicht nur auf die Schlammquellen, sondern auch auf die umliegende Region.


Dettifoss und Selfoss Wasserfälle

Wieviel Lärm ein Wasserfall machen kann, zeigt der größte Wasserfall Islands – der Dettifoss. Der Wasserfall liegt im Nordosten Islands, und offenbart sich erst nach einsamen, öden Schotterpisten und einer Umgebung, die an eine flache mondartige Landschaft erinnert. Der Wasserfall kann von zwei Straßen erreicht werden. Welche Seite den besseren Ausblick auf den tobenden Wasserfall ermöglicht, ist schwer zu sagen. Wer von der Ostseite über die Straße 862 kommt, muss über einen Parkplatz noch ein paar Minuten laufen, um zum Wasserfall zu gelangen.
Der Lärm, die Breite und Fallhöhe des Wasserfalls beeindrucken. Die hochsteigende Gischt tut ihr übrigens. Die Möglichkeiten, ein Fotomotiv hier zu erstellen, sind unzählig.

Ein paar Gehminuten flussaufwärts, von den meisten Touristen verschmäht, liegt der Selfoss. Dieser Wasserfall ist wesentlich breiter und mit 10 Metern Höhe nicht so tief wie der Dettifoss, aber dennoch ähnlich beeindruckend. Es lohnt sich, auch hier ein paar Minuten und vielleicht sogar länger zu verweilen, um über das Leben nachzudenken. Und eventuell kommen einem dabei noch ein paar Ideen, Wasserfälle so abzulichten, wie es andere nicht schon tausendmal getan haben. Ansonsten ist es auch einfach schön, die beeindruckende Natur zu genießen.


Whale Watching

Eine Walbeobachtungstour gehört sicherlich bei einem Islandbesuch dazu. Die Touren sind professionell organisiert, es gibt einen warmen Overall, Kekse und Tee – sollte sich ein Wal am Horizont blicken lassen, wird dieser vom Ausguck sogleich vermeldet.
Wale auf einem schwankenden Schiff zu fotografieren ist recht anspruchsvoll. Ein 70-200mm Objektiv, eventuell auch als Brennweiten Verlängerung an einer DX Kamera, hat sich bewährt. Manchmal sind die Wale jedoch so nah, dass ein 24-70mm ausgereicht hätte. Wie nah das Beobachtungsschiff den Walen kommt, hängt vom Glück und fahrerischen Können des Kapitäns ab, die Zugroute der Wale richtig vorherzuahnen.

Hier noch ein Tip, wie die Fluke von Buckelwalen eindrucksvoll fotografiert werden kann: Buckelwale holen meist dreimal Luft, bevor sie wieder in die Tiefe abtauchen. Beim letzten Mal zeigen sie dann die Fluke. Hier lohnt es sich auf diesen Moment zu warten und mit einer Serie den Auslöser gedrückt zu halten – dann ist bestimmt ein gelungener Schnappschuss dabei.


Diamond Beach und der Jökülsárlón

Es gibt Orte auf Island, da lohnt es sich, diese mehrmals anzufahren. Nicht nur aus Gründen des Wetters, sondern weil es jedesmal anders aussieht. Der Jökülsárlón und Diamond Beach sind so ein Ort. Weit im Landesinneren kalbt der Gletscher, und bildet einen Gletschersee mit Eisbergen. Als wir diesen an einem Tag besuchten, schwammen Eisberge so groß wie Häuser vorbei, an einem anderen Tag nur in Kühlschrankgröße. Die großen Klumpen treiben unter der Brücke der Straße 1 hindurch, um dann schließlich vom brausenden Ozean wieder am Diamond Beach angespült zu werden. Der Strand hat den Namen von den angespülten Eisbergen, die an große Diamanten erinnern. Wer hier ein bisschen Zeit mitbringt, kann sich glücklich schätzen, und eindrucksvolle Fotos mit nach Hause nehmen.

Lustigerweise eignet sich dieser Ort auch für ein paar Beautyshots – leicht bekleidete Schönheiten lassen sich gerne einmal vor oder auch auf den Eisbergen ablichten. Doch Vorsicht! Am Diamond Beach gibt es – wie auch an anderen Stellen Islands – Sneaker Waves, die nicht nur manche Kameraausrüstung verschlungen haben.

Ein standsicheres Stativ ist Pflicht, ein ND Filter und ein paar schnell Beine, wenn die große Welle kommt.


Skogafoss, Seljalandsfoss und die Sonne hinter dem Wasserfall

Wasserfälle gibt es genug auf Island – aber es gibt nur einen großen, der sich komplett Hinterlaufen lässt.  Der Seljalandsfoss bietet genau dieser Möglichkeit. Wer dann noch den Sonnenuntergang abpasst, kann dann genau die wunderschönen Postkartenmotive machen, die vielfach zu finden sind. Durch die Gischt ist gutes Schuhwerk und ein Poncho Voraussetzung, um nicht auf den glatten Steine auszurutschen und auch nicht komplett geduscht zum Auto zurückzukehren. Eine Spritzwasser geschützte Kamera und Objektiv sind Pflicht, ansonsten tut es auch eine Plastiktüte als Notbehelf.

Hinter den Skogafoss, auch einer der schönsten und größten Wasserfälle, lässt es sich nicht gehen. An der Seite führt aber eine schöne Treppe auf den grün bewachsenen Berghängen hinauf, um den Wasserfall aus jeder Perspektive zu sehen. Ganz oben angekommen, geht es noch weiter in das Hinterland. Von hier aus lassen sich hier sehr lange, ausgiebige Wanderungen unternehmen, wie auch die bekannte Wanderung Laugavegur in das Landesinnere.


Wasserfall Gullfoss und Warten auf den Geysir Strokkur

Viele Attraktionen auf dem innersten Ring sind mindestens genauso beeindruckend wie die übrigen Sehenswürdigkeiten Islands – verlieren aber von Ihrer stillen Faszination durch den leichten Zugang von Touristen mit Kurzaufenthalt. Der Gullfoss Wasserfall und der Geysir Strokkur zählen zu diesen Attraktionen, die vom Massentourismus schon langsam überlaufen werden.

Der Gullfoss – goldene Wasserfall erinnert mit seiner Form ein wenig an ein Bügeleisen. In vielen Reiseführern wird dieser Wasserfall als der Größte bezeichnet – wir empfanden den Dettifoss Wasserfall noch ein Stück beeindruckender hinsichtlich der Größe. Vielleicht lag es gerade an der Öde und Einsamkeit, die dem Dettifoss auch mehr Faszination gaben als dem Gullfoss. Dennoch fließt auch hier beeindruckend viel Wasser herunter, und viel Gischt wiederum empor. Aufgrund der festgelegten Zugänge und der Mengen an Touristen ist es bei diesem Wasserfall besonders schwierig, einzigartige Fotomotive zu machen.

Der Geysir Strokkur ist nur 10 km entfernt, und wird deshalb von den meisten Touristen zusammen mit dem Gullfoss an einem Tag besucht. Wer fliegt nicht nach Island, um einen Geysir zu besuchen? Der Geysir Strokkur bricht alle Minuten aus, mal heftiger, mal weniger heftig. Hier bietet sich eine Zeitlupenaufnahme an, und zwar wenn sich in dem See in allen schillernden Blautönen der Ausbruch gerade andeutet, und sich eine wunderschöne hellblaue Blase bildet, die kurze Zeit später von weißem Wasser durchbrochen wird und dann den Geysir bildet. Hier eignen sich auch Weitwinkelfotos gut. Allerdings ist es unmöglich, den Geysir in seiner natürlichen Schönheit ohne Touristen festzuhalten. Außer man ist zu Zeiten da, wo andere Touristen noch schlafen.


Fazit

Wir mögen Island. Die wunderschöne Natur, das raue Klima. An den üblichen Sehenswürdigkeiten trifft man Gleichgesinnte, und meist herrscht ein respektvoller Umgang. Die Anzahl der Touristen verläuft sich noch auf der Ringstrasse, nimmt aber auf dem Golden Circle metropolenartige Verhältnisse an. Fotografen, die Island als Foto- und Familienreise kombinieren, werden es schwer haben, beides unter zu bekommen.
Die größte Herausforderung ist das Wetter. Denn Sturm und Regen sind eher der Normalfall als die Ausnahme. So ist es empfehlenswert, an den sehenswerten Locations besser mehrere Tage einzuplanen.

3 Kommentare
  1. Karol Wieser
    Karol Wieser sagte:

    Die Professionalität Deiner Beiträge verdient es, dass Fachverlage sich damit befassen und in ihr Repertoir aufnehmen. Entsprechende Initiativen halte ich für erfolgversprechend. Die herausragende Qualität der Kreationen verlangen nach einem größeren und fachkundigerem und interessiertem Fachpublikum.

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