Nikon hat mit der Z6 und Z7 als einer der letzten Kamerahersteller 2018 den Sprung in die Welt der Spiegellosen gewagt. Nicht Erster zu sein hat den Vorteil, nicht die Fehler der Pioniere zu machen, aber den Nachteil, dass eventuell andere den Markt schon besetzt haben.
Kann Nikon mit der Z6 und Z7 noch signifikant Marktanteile gewinnen? Wir wollten wissen, wie sich die Nikon Z6 im Praxistest schlägt und haben diese zusammen mit dem Kit-Objektiv mit auf zwei Fotoreisen genommen – auf die Lofoten in Norwegen und an die Loire in Frankreich.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Erfahrungsberichten und Praxistests über die neuen Nikon Z spiegellosen Kameras. Die überwiegende Meinung ist, dass Nikon vieles richtig gemacht hat, auch wenn sie recht spät mit der Kamera herausgekommen sind. Olympus und Panasonic haben den Markt im Bereich MicroFourThirds, und Sony im Bereich FX und DX bereits besetzt. Und Panasonic hat sich inzwischen FX auch auf die Fahne geschrieben. Da bleibt die Frage, ob es Nikon schafft, sich Marktanteile zurückzuerobern.

Die meisten Tester loben den exzellenten Sucher, die Fortführung der Ergonomie, die wir von den Nikon-Kameras gewohnt sind, und dass sich die Nikon Z6 und Z7 lediglich im Sensor unterscheiden, aber sonst alle Funktionen gleich sind. Kritisiert wird der singuläre Speicherslot, das unübliche Speicherformat XQD, und die geringe Auswahl an Objektiven durch die Einführung des neuen Z-Bajonetts.
In unserem Praxistest schauen wir, ob wir das Lob und die Kritik aus Foren und Reviews nachvollziehen können oder zu einer anderen Meinung gelangen.

Uttakleiv Beach, Lofoten, Norway
Uttakleiv Beach, Lofoten, Norway mit dem Zeiss 24mm f2.8 über FTZ Adapter, 15s bei f5.6 und Graufilter

Nikon Z6 in der Praxis

In den ersten Minuten der Nutzung wirkt das Kameragehäuse Nikon Z6 dem langjährigen Nikonianer vertraut – die Kamera liegt gut in der Hand, die Menüs sind bekannt und auch die Knöpfe da sind wo sie hingehören. Das schafft Vertrauen.

Ergonomie, Gewicht, Größe, EVF, OLED Schulterdisplay, Akku, Kit-Objektiv

  • In der Praxis ist die Ergonomie der neue Z Serie zu loben. Die Nikon Z6 liegt gut in der Hand, sie ist mit dem Kit-Objektiv nicht zu schwer oder zu leicht. Alle Bedienelemente sind gut erreichbar. Wie immer haben die japanischen Ingenieure auch ein Augenmerk auf Details gelegt. Beispielsweise sind die Tasten von Play und Mülleimer durch einen spürbaren Steg getrennt, und zur besseren Erreichbarkeit ist die Mülleimertaste ein wenig mehr erhaben.
  • Der mehrfach gelobte EVF ist wirklich sehr gut. Bei allen DSLMs bis dato haben wir wegen des mäßigen EVF meist auf das Display und nicht durch den Sucher geschaut. Bei der Nikon Z Serie ist das anders. Wie bei einer DSLR haben wir auch hier automatisch durch den Sucher geschaut. Wie es sich bei der Astrofotografie verhält, können wir nicht sagen. Das haben wir nicht getestet. Gefühlt würden wir da aber einen echten Sucher vermutlich weiterhin vorziehen.
  • Das OLED Schulterdisplay ist aufgeräumt und sehr gut ablesbar. Ein nettes Gimmick ist, dass sich die Helligkeit des OLED an die Umgebungsbedingungen anpasst. Es lässt sich aber auch eine feste Helligkeit einstellen.
  • Ein erfreulicher Umstand ist, dass auch ältere Akkus der EN-EL15 Reihe in der Nikon Z6 ihr Werk verrichten. So kann auf einen teueren Zweitakku verzichtet werden, falls die alte Nikon Kamera nicht gleichzeitig genutzt wird.
  • Das Kit-Objektiv ist erstaunlich gut, und verdient eigentlich die Bezeichnung Kit nicht, weil damit eigentlich ein Billiges-zum-Loslegen-Objektiv gemeint ist. Wir waren positiv von der Performance und der Haptik überrascht. Eine weitergehende Bewertung steht weiter unten im Bericht.
  • Der Bildstabilisator erledigt seine Aufgabe zuverlässig. Aufnahmen freihand bis zu einem 1/3 Sekunde waren durchaus möglich.
Sakrisoy, Lofoten, Norway
Sakrisoy, Lofoten, Norway mit dem Zeiss 24mm f2.8 über FTZ Adapter, 15s bei f5.6 und Graufilter

Fokussteuerung, Autofokus, Gruppenautofokus, fehlender eingebauter Blitz, Konfiguration

  • Am Anfang ein wenig merkwürdig wirkt der Steuerungspinökel, der zusätzlich zu dem Steuerkreuz dazugekommen ist. Warum zwei Bedienelemente, um bspw. den Fokuspunkt zu verschieben? Um Laufe der Bedienung wird aber klar warum. Der obere Steuerungspinökel ist genau da, wo er hingehört, um die Fokuspunkte zu verschieben. Und das übliche Steuerkreuz ist für die Menüauswahl bestens geeignet. Dieses Konzept hat erstmal in der Nikon D850 Einzug gehalten und hat sich scheinbar bewährt. Wir jedenfalls haben uns mit dem Steuerungspinökel gleich angefreundet und die Verschiebung der Fokuspunkte ging intuitiv zur Hand.
  • Der Autofokus ist mit am meisten kommentiert und kritisiert worden. Benchmark ist hier sicherlich die Sony Alpha 7 Mark III Reihe, mit der sich die Nikons messen lassen müssen. Wir haben auf unseren Fotoreisen keinen besonderes Mangel feststellen können, 99% der Aufnahmen sind scharf geworden, und auch da an der Stelle wo er sitzen soll. Getestet mit dem Kit-Objektiv und dem Nikkor Z 50mm f1.8. Ein wenig überrascht waren wir allerdings, dass der so hoch gelobte Gruppenautofokus aus der Nikon D750 keinen Einzug in die Z Serie gehalten hat. Das hat vermutlich technische Gründe. Allerdings funktionierte der AF auch bei recht schlechten Lichtverhältnissen ziemlich zuverlässig (Firmware 2.0).
  • Der Autofokus ab der Firmware 2.0 ist eine besondere Erwähnung wert. Denn ab dieser Version wurde der Augenautofokus eingeführt. Und der ist richtig gut. Denn dafür müssten wir – und das ist ungewöhnlich für Nikon – erst einmal den Nikon AF Guide lesen – um zu verstehen, wie dieser zu aktivieren ist. Wir finden es nachvollziehbar, dass dieser erst im Menü aktiviert werden muss. Dass wir dann aber noch von Einzelfeldmessung auf AF-Messfeldsteuerung stellen müssen und dann noch OK tippen müssen, finden wir zwei Schritte zu viel. Spontan haben wir das nicht hinbekommen. Denn was wollen wir: Direktes Umschalten zwischen 1. Einzelfeldmessung, wo wir den AF Punkt gezielt mittels Steuerungspinökel verschieben und setzen können und 2. den Augenerkennungsautofokus.
  • Eventuell ist es den meisten nicht aufgefallen, aber die Nikon Z Kameras haben keinen eingebauten Blitz mehr verbaut. Wir vermuten, die Entscheidung den Blitz wegzulassen ist aus der Überlegung entstanden, dass die neuen Objektive genug Licht liefern, sodass ein kleiner eingebauter „Mädchenblitz“ nicht notwendig ist. Wer dann ohnehin anständig blitzt, nutzt eh ein externes System. Wir glauben prinzipiell dass diese Entscheidung richtig ist, auch wenn wenn der eingebaute Blitz eine gute Hilfslösung war, um nahe Objekte bei schwierigen Lichtsituationen ein wenig aufzuhellen.
  • Es lassen sich viele Bedienknöpfe individuell mit Funktionen belegen, das ist gut. Manchmal ist es jedoch nicht ganz zu Ende überlegt. Beispielsweise hätten wir uns gewünscht, mit dem vorderen Wahlrad zwischen manuellem und automatischen ISO-Wert zu wechseln, und mit dem hinteren den ISO-Wert selbst. Das ist weniger ergonomisch, wenn man mit dem Zeigefinger und „gedrückt halten“ den ISO-Wert verstellen möchte. Leider lässt sich die Funktion nicht tauschen.
  • Die Möglichkeit, Funktionen auf den Schärfering des Objektives zu legen, ist wieder mal ein nettes Gimmick. Wie beispielsweise die Belichtungskorrektur oder die Blende. Wir stellten jedoch fest, dass sich die eingestellten Werte am Ring beim Wegpacken der Kamera irgendwie merkwürdig verstellten – die Kamera merkt sich scheinbar die Werte und so fanden wir es eher unpraktisch für den Alltag und schalteten die Funktionen nach mehreren Testrunden ab.
Gimsoy Beach, Lofoten, Norway
Gimsoy Beach, Lofoten, Norway mit dem Nikkor 24-70 f4 bei 24mm 1/50s bei f4.0

XQD Karten, Firmware-Update, Akkulaufzeit, nachmal EVF

  • Der Umstand, ein neues Kartenformat XQD einzuführen, hat uns prinzipiell nicht gestört. Da wir keine Hochzeiten fotografieren, haben wir auch keinen zweiten Speicherslot vermisst, auch wenn dies genauso nett gewesen wäre wie die vorhandenen SD Karten weiter zu benutzen. Unmut hat allerdings der Preis und die Verfügbarkeit der XQD Karten hervorgerufen. Denn trotz der Verfügbarkeit der Kameras von fast einem Jahr und der Ankündigung von Nikon, ebenfalls Speicherkarten anzubieten, hat sich im Angebot und damit auch an den Preisen noch nicht viel getan. XQD Karten mit gleicher Speicherkapazität im Vergleich zu SD-Karten immer noch 5 mal so teuer (stand Sommer 2019). Das ist ja noch zu verschmerzen. Fast mafiös wird es dann aber, wenn man die neue Firmware 2.0 auf die Kamera installieren möchte. Denn das geht nicht mit dem mitgelieferten USB-Kabel, dafür ist ein XQD Kartenlesegerät zwingend erforderlich.
  • Bei den XQD Kartenlesern gibt es nur zwei Kategorien: die günstige Variante als Asia Import mit einer Lieferzeit von 4 Wochen oder das Sony Original als teure Variante mit einer Lieferzeit von 1-2 Tagen. Wegen einer bevorstehende Reise mussten wir einen unverschämt hohen Preis für das original Sony XQD Kartenlesegerät zahlen, nur um die aktuelle Firmware auf das Gerät zu spielen.
  • Die Akkulaufzeit ist geringer als bei einer Spiegelreflexkamera. Aber mit einer Akkuladung kann man trotzdem durch den Tag kommen. Es sei denn, es sind mehrere Langzeitbelichtungen über den Tag geplant. Da wurde es dann schon einmal knapp, und beinahe musste der zweite Akku her.
  • Während unserer Reise ist uns aufgefallen, dass der Wechsel zwischen EVF und Display nicht immer reibungslos klappt. Beispielsweise haben wir die Kamera erst im EVF benutzt, und dann auf Bauchhöhe für einen niedrigen Shot gehalten. In solchen Fällen schaltet die Anzeige erst um, wenn man die Kamera ein wenig vom Körper weghält. Und auch die Wahlmöglichkeit „Sucher-Priorität“ ist nicht intuitiv – ehrlich gesagt haben wir diese immer noch nicht verstanden.

Nikkor Z 24-70 f4 ist das noch ein Kit Objektiv?

Das Nikon Nikkor Z 24-70 f4 S ist eines der ersten verfügbaren Objektive bei der Einführung der Z-Bajonetts, und wird vielfach als Kit-Objektiv mit der Nikon Z6 / Z7 angeboten.

Viele Fotografen haben dem Objektiv leider nur wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen und wollten lieber auf das lichtstärkere f2.8 warten. Das ist eigentlich schade. Denn das Nikon Nikkor Z 24-70 f4 S ist sehr gut verarbeitet, und besticht durch eine Haptik, die wir schon von der Sigma Art-Serie kennen. Ja es ist Kunststoff, aber es sieht weder billig aus noch fühlt es sich so an wie ein altes Nikkor 50mm f1.8. Der Autofokus des Objektivs arbeitet schnell, treffsicher und lautlos. Der Objektivdeckel und die Sonnenblende lassen sich gut an- und abnehmen, ein Umstand, der nach unserer Erfahrung nicht selbstverständlich ist (Beispielsweise ist es nahezu unmöglich den Objektivdeckel bei aufgesetzter Sonnenblende beim Sigma Art 50mm F1.4 zu montieren!).

Im Ergebnis sind die Bilder sind bei Blende 4 auch bis in die Ränder scharf. All das ist recht ungewöhnlich für ein klassisches Kit-Objektiv, und so finden wir nicht, dass es diese Bezeichnung verdient. Praktisch finden wir auch die Möglichkeit, das Objektiv für den Transport noch stärker einzufahren, auch wenn Bedenken bleiben, wieviele Tausend Male das wohl gut geht. Lediglich bei 70mm zeigt sich eine deutliche Vignette.

Wer gerne technische Spezifikationen liest, dem wird auffallen, dass das f4 nicht besonders scharf ist, und die Freistellmöglichkeiten recht begrenzt sind. Wir finden, im Alltag fällt das gar nicht so auf. Selbstverständlich hat die f2.8 Variante mehr Lichtstärke, wiegt dafür aber etwa 60% mehr, ist wesentlich größer und preisintensiver. Wer gerne und viel auf Reisen geht, für den ist das kleine Nikon Nikkor Z 24-70 f4 S vielleicht eine genügende Alternative.

Pont Du Maréchal Leclerc, Amboise
Pont Du Maréchal Leclerc, Amboise, Frankreich mit dem Nikkor 24-70 f4 bei 50mm 15s bei f8.0 und Graufilter

Kompatibilität mit F-Nikkoren und Sigma Art – FTZ Adapter

Die Nikon Ingenieure haben sich lange Gedanken gemacht, wie ein neues Objektivbajonett eingeführt werden kann ohne gleich alle Kunden zu verschrecken. Schließlich sind es die über die Jahre angehäuften Objektive, die die Kunden meistens bei der Marke halten. So hat Nikon den FTZ Adapter entwickelt, um alte F-Nikkore und weitere kompatible Objektive anzuschließen – also das gesamte Altglas, das bis zu der Einführung des Z Formats bei Nikon Standard war. Da die Nikon Z6 nun ein kleineres Auflagemaß als ihre Vorgänger hat und der Z-Bajonett größer ist als das F-Bajonett, ist der Adapter zumindest technisch gesehen recht unproblematisch zu realisieren.
Wir haben den FTZ-Adapter mit diversen Objektiven ausprobiert, wie bspw. dem Nikon Nikkor 70-200mm f4, dem Sigma Art 50mm F1.4 oder dem ZEISS 24mm f2.8. Der Autofokus reagiert schnell und treffsicher wie bei einer DSLR. Einzig auffällig ist, dass es beim Einschalten und beim Fokussieren bei manchen Objektiven zu einem deutlich lauteren Autofokusgeräusch kommt, als wenn das alte Nikkor an einer DSLR angeschlossen wäre.

Fazit Nikon Z6

Es macht Spaß mit der Nikon Z6 zu arbeiten. Sie liegt ergonomisch in der Hand, wie ein Werkzeug, dass durch jahrelange Nutzung bekannt ist. Der in der Kamera verbaute Bildstabilisator arbeitet zuverlässig und unauffällig im Hintergrund und auch alle anderen Funktionen sind bis auf Kleinigkeiten wie die AF-Wahl stimmig.
Zwar bietet die Z-Serie keine revolutionären Innovationen. Nikon hat aber versucht, das beste aus den beiden Welten DSLR und DSLM zu vereinen, und das ist Ihnen gelungen.
Wer aktuell eine Nikon DSLR hat und mit der zufrieden ist, muss nicht unbedingt umsteigen. Denn der Sensor der Nikon D610 und Nikon D750 ist in der Leistung fast identisch zur Nikon Z6.

Wer das Nikon System hinsichtlich Ergonomie, Bedienung und Bildqualität mag, macht sicherlich mit der Nikon Z6 nichts falsch. Die begrenzte Verfügbarkeit von Z-Objektiven macht der FTZ-Adapter wett, der es ermöglicht, über 300 Objektive anzuschließen. Nikon schafft es mit der Z-Serie zu Sony fototechnisch aufzuschließen, und durch weitere Firmware-Updates könnten sie dies auch videotechnisch schaffen. In der Praxiserfahrung sind uns nur Kleinigkeiten aufgefallen, die den sehr guten Gesamteindruck nicht schmälern. Kaufempfehlung.

Falls Dir dieser Test gefallen hat, unterstütze Magmafoto mit einem der Amazon-Links. Wenn Du darüber bestellst, dann kostet Dich das nichts extra, aber wir bekommen eine Provision.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.