Blick auf Ballstad

Lofoten. Da wollten wir schon immer hin. Die Lofoten, ein Wander- und Fotoparadies, werden gerne als das Ende der Welt bezeichnet. Wir hatten ein paar Tage frei, und machten uns auf, die Region zu erkunden. Mit äußerst wechselhaftem Wetter, mehr Regen als Sonne und ohne Polarlichter mussten wir uns anstrengen, ein paar beeindruckende Motive mit nach Hause zu bringen.

Die Lofoten liegen nördlich des Polarkreises an einem Zipfel Nordnorwegens. Am schnellsten geht es mit einem Direktflug nach Evenes / Harvik, und von dort mit einem Mietwagen. Mit dem Ziel, ein paar Wandertouren zu unternehmen und dabei Landschaft und Leute aufzusaugen, stellten wir uns auch wettertechnisch auf ähnliche Bedingungen wie auf unserer Islandtour ein. Doch weit gefehlt: Auf Island kann das Wetter im Vergleich zu den Lofoten als fast „beständig“ bezeichnet werden. Dafür ist Island mit seinem vulkanischen Ursprung wesentlich abwechselungsreicher. Auf den Lofoten kann man sich ganz auf die üblichen Motive konzentrieren – hohe Berge im Hintergrund, sich spiegelnde Sandstrände oder türkisblaues Meer im Vordergrund, und in der Mitte die typischen roten Rorbuer-Häuser mit den Holzpalisaden und getrockneten Stockfisch nebendran.

Fotoausrüstung für die Lofoten

Die Lofoten bieten für jeden Fotografen etwas. Langzeitbelichtung, Zeitraffer, Filmen? Berge, Polarlichter oder Vögel, Schafe und Wale?  Hier eine Auswahl, die sich bewährt hat (die Brennweitenangaben beziehen sich auf Kleinbild).

  • Stativ. Muss mit. Und zwar nicht das leichte Reisestativ, sondern das schwere. Warum? Für Langzeitbelichtungen, und weil es auf den Lofoten stark windet.
  • Weitwinkel 16-24mm. Mit f2.8 oder besser. Für alle Landschaftsaufnahmen ein Muss. Eine sehr willkommene Brennweite auch zur Zeit der Nordlichter.
  • Standardzoom wie ein 24-70mm. Zoom-Objektive geben auf Reisen viel Flexibilität. Da das Stativ dabei ist, und in den Sommermonaten die Sonne lange hell scheint, muss es nicht unbedingt das Lichtstärkste sein, auch wenn es natürlich bei Kontrast und Freihandaufnahmen hilft.
  • Festbrennweite 20mm und / oder 50mm. Für knackscharfe Landschaftsaufnahmen oder um mal das eine oder andere Objekt wie z.B. Seevögel freizustellen. Wegen des guten, sehr hellen Lichtes im Sommer optional, aber willkommen wenn vorhanden.
  • ND-Filter. Ein 1000er reicht. Wegen der harschen Kontraste zwischen Himmel und Erde auch gerne ein Verlaufsfilter.
  • Polfilter. Wegen der Spiegelungen im Meer ein Muss, um das türkisblau gut darzustellen.

Rund um Svolvær und Henningsvær

Unsere Tour startet in Svolvær, der größten Stadt der Lofoten. Von hier aus lassen sich zwei schöne Wandertouren unternehmen, einmal zum Gipfel des Tuva oder zum Fløya mit dem berühmten Djevelporten (Teufelstor). Die letzte Tour ist schwarz markiert, da Trittsicherheit und Ausdauer Voraussetzung sind, und weil einige Stellen nur mit Kettensicherung überwunden werden können. Und auf das Teufelstor zu Klettern kostet doch dann ein bisschen Überwindung.
Henningsvær haben wir – ein wenig unbeabsichtet mangels zu kurzfristiger Planung – übersprungen.  Das war aber auch nicht so schlimm – die schönsten Motive in Henningsvær eröffnen sich im Winter – wenn die Berge im Hintergrund mit Schnee wie mit einer Puderzuckerschicht überzogen sind. Oder im Sommer der Fussballplatz, der auf einer Insel liegt. Da wir keine Drohne dabei hatten, war es nicht schlimm, diesen Ort auszulassen.


Wanderungen auf den Mulstøa, Volandstinden und Himmeltindan

Auf der Suche nach schönen, nicht zu schweren Wanderungen mit schönen Panoramablicken sind uns die nachfolgenden drei besonders aufgefallen.

Der Weg nach Mulstøa startet vom Parkplatz des Ytresand Strandes. Als wir losstarten, regnet es noch leicht. Der Weg aufwärts ist leicht zu bewältigen, ob und so müssen felsige Geröllpassagen überwunden werden. Oben angekommen, ergibt sich ein fantastischer Blick auf die Bergketten von Flakstadøya. Weiter unten liegen Sanbotn und der Ytresand Strand mit seiner langgestreckten Sandzone. Wir setzen uns auf einen Stein und genießen den fantastischen Ausblick. Leichter Nieselregen zieht ab und zu durch, aber das stört uns nicht.

Die Wanderung zum Volandstinden auf Flakstadøy ist da schon anspruchvoller. Allerdings wird der normale Alpinist über diesen Aufstieg nur schmunzeln. Die Wege sind gut markiert und einfach zu bewältigen. Der Volandstinden ist ein markanter, kegelförmiger Berg. Wer dann noch die geschwungenen Brückenwerke zwischen Flakstadøya und Moskenesøya fotografieren möchten, muss sich noch weiter auf den nördlichen Vorgipfel vorarbeiten. Erst da wird das herrliche Panaroma mit den türkisblauen Sandbänken in allen Farbschattierungen sichtbar. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für den letzten Abschnitt Voraussetzung.

Der Himmeltindan ist mit 931m der höchste Berg auf der Insel Vestvågøyas. Er besteht aus drei Gipfeln. Der Ausgangspunkt ist ein Parkplatz bei Uttakleiv. Für diese Tour kann man durchaus einen ganzen Tag einplanen, Geübte mit guter Kondition schaffen es in einer Halbtagestour. Wir gehen zunächst eine alte Passstraße hinauf. An einer Moorfläche zweigt der Weg hoch zum Himmeltindan nach Osten ab. Weiter geht es in das Durmålsdalen, ein breites und steiles Tal. Nach einer Anhöhe folgen wir einem letzten Anstieg zum Himmeltindan. Die letzten Meter haben es schon angekündigt, und der Gipfel ist komplett in Nebel gehüllt. Wir warteten eine Weile, und mussten dann aber wieder absteigen, weil der Gipfel einfach nicht freigepustet wurde. Wieder zurück auf der Anhöhe, ergibt sich ein fantastistischer Blick auf das frei liegende Umland.


Leknes und die Strände Haukland und Uttakleiv

Leknes ist eine der größeren Städte auf den Lofoten. Neben einer für die Lofoten ungewöhnlichen Shoppingmoll, und vielen weiteren Möglichkeiten einzukehren, gibt es bespielsweise auch eine Autowerkstatt. Eine sehr hilfreiche Einrichtung, wenn man sich gerade einen Nagel in den Reifen gefahren hat, so wie es uns passiert ist. In Leknes selbst gibt es keine nennenswerten Fotomotive, aufgrund der Nähe zu vielen ist aber eine mehrtägige Übernachtung hier oder im nahe gelegenen Ballstadt empfehlenswert.

Nah liegen auch die Strände von Haukland und Uttakleiv. An beiden Stränden ist eine Parkplatzgebühr zu entrichten, wobei hier manchmal nicht klar war, wie diese zu entrichten sein soll, denn eine Geldbox fehlte und eine Kontonummer war zwar angegeben, aber zufälligerweise hatten wir den Drucker für die Quittung nicht dabei oder wie sonst sollen wir bei einer Kontrolle nachweisen können, dass wir gezahlt haben? Eines der ungeklärten Rätsel auf den Lofoten. Die Strände auf jeden Fall sind groß und wenig besucht. Am Strand von Uttakleiv gibt es ein paar mutige Surfer, die bei wirklich arktischen Temperaturen ihr Board in die Wellen schwingen.


Rund um Ballstad

Ballstad ist ein guter Ausgangspunkt zu vielen Fotolocations, und bietet selbst an dem nahe gelegenen Berg eine tolle Möglichkeit, ein wenig „von oben“ die Lofoten zu fotografieren.

Die Ballstadheia ist eine weite Hochfläche am südwestlichsten Zipfen Vestvågøyas. Nach einem steilen Anstieg ausgehend vom Fuße Ballstad finden wir uns am Anfang einer weitläufigen, seicht ansteigenden Fläche wieder. Der Überblick über das Meer und die Berge ist grandios. Wer ein wenig Zeit und auch Kondition mitbringt, kann eine Rundwandertour zum Nonstinden durchführen. Da wir uns erst abends auf den Weg machten, und obwohl die Sonne nicht untergeht, spürten wir schon ein wenig Müdigkeit in den Knochen, und lassen es bei halber Strecke gut sein. Aber auch von diesem Platz aus ließen sich beeindruckende Zeitraffer und Panoramaaufnahmen machen.


Nusfjord

Es gibt sie noch – die gut erhaltenen, pittoresken, kleinen Fischerdörfer. Gut, die meisten von ihnen sind inzwischen durch den Tourismus erhaltene Museumsdörfer, und auch hier wird die eine oder andere Busladung  ausgekippt, aber sie sind trotzdem hübsch anzusehen – wie beispielsweise der Nusfjord.

Die Häuser im Nusfjord sind so liebevoll angeordnet, dass man meinen könnte, es würde sich um ein UNESCO-Weltkulturerbe handeln, aber das stimmt nicht. Besonders schön ist das Oval des natürlichen Hafen, der von einem hoch gelegenen Punkt ein schönes Motiv ergibt. Dabei ist es gar nicht nötig, die nahe gelegene Straße den Berg hoch zu laufen. Da haben wir zunächst den Aussichtspunkt gesucht, und wären beinahe in einer Felsspalte hängen geblieben. Nein, das Hafenpanorama lässt sich leicht durch einen nicht steilen Pfad auf den ersten nahe gelegenen Felsen erstellen.


Myrland und die Mitternachtssonne

Auf den Lofoten muss man im Sommer schon ganz schön Glück haben, um die Mitternachtssonne ohne Wolken zu sehen. Dann braucht man noch einen Strand im Norden, mit möglichst wenig anderen Touristen. Der Strand von Myrland ist so Ort, und unter Fotografen noch eine Art Geheimtipp.

Nur 20 Autominuten von Leknes entfernt offenbart sich der Strand nach einem kleinen Parkplatz an der Uferstraße und einem Weg hinab zu der sandigen Landschaft. Große Felsmurmeln liegen dort wie aufgereiht und bieten somit einzigartige Fotomotive. Und das schöne an der Mitternachtssonne ist: Eile ist nicht geboten, da die Sonne nicht wie üblich vom Meer geschluckt wird. Allerdings setzt irgendwann die Müdigkeit ein …


Reine, Sakrisøy und Hamnøy

Die Gegend um Reine ist eigentlich die Fotodestination schlechthin, wenn es darum geht, ein typisches Bild von den Lofoten einzufangen. So finden sich in den Orten ReineSakrisøy und Hamnøy die auf Felsen typischen roten Rorbuer-Häuser mit steilen und schroffen Bergen im Hintergrund und dem brausenden Meer im Vordergrund. Wegen der Wetterbedingungen sollten hierfür mehrere Tage eingeplant werden, um wenigstens ein brauchbares Foto mit nach Hause zu bringen.

Leider war der Reinebringen, der Top Aussichtspunkt auf Reine, noch gesperrt. Nach zweijähriger Instandsetzung mit der Hilfe von Sherpas aus Nepal soll er Mitte Juli 2019 wieder eröffnet werden.

Noch weiter westlich von Reine auf dem Weg nach Å, in Sørvågen, soll es angeblich die besten Zimtschnecken der Welt geben. Wir haben sie probiert und wirklich, sie sind recht schmackhaft. Besonders interessant ist die Form, die nicht eine Schnecke ist, sondern eine Mischung aus Spirale und geflochtenem etwas. Irgendwie hatten unsere Zimtschnecken einen seifigen Nachgeschmack (nein, da war kein Koriander drin), so konnten wir das hochgelobte Prädikat nicht teilen. Gut für den morgendlichen Verzehr waren sie dennoch.

Am westlichsten Punkt, in Å, treffen wir wieder auf eines der schon angesprochenen Museumsdörfer. Achtung, Touristenbusse! Ansonsten ist der westlichste Ort vor dem weitem Ozean recht öde und fotografisch unspektakulär.


Buchempfehlung – Fotografieren mit Licht

Wir hatten als Vorbereitung für die Reise den Fotoscout von Jens Klettenheimer – Fotografieren mit Licht gekauft. Der Fotoscout beinhaltet 12 Touren für Fotografen, die an Landschaftsfotografie auf den Lofoten interessiert sind. Der Autor gibt auch Empfehlungen, zu welcher Jahreszeit und Tageszeit die Fotospots angefahren werden können, praktische Aufnahmetipps zur Polarlichtfotografie, Filternutzung, hilfreiche Apps und vieles mehr.

Wir haben den Fotoscout täglich genutzt, um ganze Touren oder auch nur Teile davon anzufahren. Die Fotospots sind gut beschrieben und meist mit einem beeindruckenden Bild illustriert. Lediglich die Karten hätten ein bisschen größer sein können. Auffällig ist, dass der Fotoscout überwiegend Motive aus der Seehöhe anpreist. Einige spannende Fotos können jedoch erst nach einer längeren Wanderung auf einen Berg geschossen werden, solcherlei Empfehlungen fehlen jedoch gänzlich. Dafür haben wir uns den Rother Wanderführer Lofoten zugelegt. Wir kennen den Lofoten Wanderführer für diverse Alpentouren und können diesen als Ergänzung zu dem Fotoscout empfehlen.

Kurzum – der Fotoscout ist durchweg empfehlenswert, und eine wertvolle Hilfe, schnell die besten Fotolocations auf den Lofoten zu finden. Motive mit der gleichen Aura und Anmutung wie im Bildband erfordern aber einiges an Übung. Schon alleine der Besuch im Sommer macht es schwierig, mit der fehlenden Dämmerung und der Abwesenheit des Schnees ähnlich verträumte Fotos zu erstellen. Auch hatte der Autor sicherlich viel mehr Zeit als eine typische Urlaubswoche auf den Lofoten verbracht, um wetterunabhängig derart imposante Bilder zu schiessen.


Fazit

Die Lofoten sind beeindruckend, aber auch recht preisintensiv. Das nächste Mal bereisen wir Norwegen mit dem Wohnwagen, nehmen ausreichend Vorräte mit und kochen selbst.

Das Ende der Welt ist recht komfortabel geworden. Mit Zimtschnecken, Unterkünften mit warmen Duschen und auch sonst gutem Essen. Berge und Meer sind eine Garantie für wunderschöne Motive. Nur das Sommerwetter ist auf den Lofoten unberechenbar. Wechselhaftes Wetter bedeutet hier, dass sich Regen, Wolken und Sonne in einer Stunde mehrmals abwechseln. Regenfeste und warme Kleidung, Geduld und eine Spritzwasser geschützte Ausrüstung sind ein Muss auf den Lofoten.

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