Wer das Thema Fotografie für sich entdeckt, wird sich eines Tages für eine bestimmte Marke und dann auch für eine Sensorgröße entscheiden. Der Markt hat sich inzwischen weiterentwickelt. FX (Vollformat) gibt es nun auch für den kleinen Geldbeutel, die Spiegellosen haben übernommen und MFT (Mikro4/3) ist quasi tot. Wenn wir heute neu starten würden, was würden wir kaufen?

Die passende Auswahl an Fotoequipment richtet sich nach dem persönlichen Bedarf. Was mache ich mit den Fotos? Für Instagram, 500px und co? Für die eigene Webseite? Mache ich ein Fotobuch, oder brauche ich die Auflösung für ein Poster oder für ein Plakat? Bin ich Sportfotograf, Landschaftsfotograf, Wildlifefotograf oder Hochzeitsfotograf? Nehme ich die Kamera auf eine Alpentour mit? Mache ich Streetfotografie oder 4K Videos?
Jede dieser Aufgaben stellt unterschiedliche Anforderungen an ein Kamera-Objektivsystem. Es gibt kaum eine Kamera, die alle Anforderungen gleichermaßen gut erfüllt. Auch ist der alte Grundsatz, dass größere und schwerere Kameras bessere Bildqualität liefern seit der Einführung der spiegellosen Kameras (DSLM) nicht mehr gültig. Eine allgemeine Empfehlung für eine Kamera oder ein System zu geben, ist deshalb nicht seriös. Auch können wir für die jeweilige Aufgabe keine Empfehlung geben, da wir selbst nur einen Teil der Aufgaben abdecken. (Dieser Beitrag ist eine Überarbeitung des ursprünglichen Artikels Nikon DX oder FX?)

Kameramarkt 2020/2021

Seit 2010 ist der Kameramarkt auf ein Sechstel zusammengeschrumpft. Und: Er schrumpft weiterhin, wenn auch weniger kräftig. Die Gründe sind bekannt: Die Smartphones haben die Welt erobert, und die die Bildqualität der übrigen Kameras ist inzwischen so gut, das Neukäufe damit obsolet werden. Olympus hat seine Kamerahersteller offiziell verabschiedet, und alle großen Kamerahersteller haben inzwischen spiegellose Systeme im Angebot. Mit unterschiedlichen Strategien versuchen Sie, sich in einem gesättigten, schrumpfenden Markt gegenseitig Marktanteile abzunehmen. Die meisten Hersteller setzen auf Vollformat, vermutlich auch um den Abstand zu den Smartphones groß zu halten. Eine umfassende, und realistische Zusammenfassung wie es 2021 weitergehen könnte, gibt es wie jedes Jahr von Stephan Wiesner.

Nikon

Die Marke Nikon hat 2018 mit der Z Serie einen bemerkenswerten Marktstart in das System der Spiegellosen hingelegt. Zunächst sah es so aus, als ob Nikon sich nur noch auf das Z-System konzentriert, und auch hier nur auf FX (Vollformat). Inzwischen hat die Nikon D780 für das alte F-System das Licht der Welt erblickt, und auch mit der Nikon Z50 gibt es eine DX Kamera für das Z-System. Damit wird das alte System ein wenig weiter gepflegt, und auch das DX Format hält Einzug in die neue Welt. Dennoch – ein Blick auf das Portfolio offenbart die Strategie von Nikon: Mit 5 neuen Vollformatkameras für das Z-System innerhalb von drei Jahren für Einsteiger (Nikon Z5) bis zum Profi (Nikon Z7) zielt Nikon auf das höherpreisige FX-Format ab, mit dem weiteren Ziel, später teure FX-Objektive an den Käufer zu bringen. Nikon kann das gelingen, weil es aktuell auch noch keine Dritthersteller für Z-Objektive gibt.

Nikon F- oder Z-System

Das neue ist des alten Feind, und mit neuen, rauscharmen Sensoren, einem großen Bajonettdurchmesser und lichtstarken Objektiven wirbt Nikon mit dem Umstieg auf das Z System. Auch wir haben den Umstieg gewagt, und sind mit unserer Nikon Z6 sehr zufrieden.  Gleichzeitig haben wir auch Kameras und Objektive aus dem F-System behalten – einfach weil es aktuell noch kein professionelles DX-Pendant als Z Kamera gibt (Wir vermissen einen Bildstabilisator, ein Schulterdisplay und einen 24 MP – Sensor).

Wer in die Fotografie einsteigt, und nicht zu viel investieren möchte, für den ist ein gebrauchtes System mit Spiegelreflexkamera und F-Nikkoren eine gute Wahl. Objektive werden – einen pfleglichen und umsichtigen Umgang vorausgesetzt, nicht schlecht, und können auch nach mehreren Dekaden noch eingesetzt werden.

Wer dagegen gerne die neueste Technologie in der Hand hält, sollte in das Z System investieren. Da bietet es sich z.B. an mit einer Nikon Z5 oder Nikon Z6 mit Kit-Objektiv zu starten, die, nebenbeigesagt, für den Alltagsgebrauch ziemlich gut sind, wie zB. das Nikkor Z 24-70mm F4.

Nikon FX oder DX

Anders als noch bei dem F-System setzt Nikon bei der Z-Serie vermehrt auf Vollformat. Das zeigt das aktuelle Angebot von Kameras und Objektiven (Dez.2020). Nikon bietet mit der Nikon Z50 inzwischen auch eine Kamera mit DX-Format an, allerdings ist der Body eher als Zweitkamera zum Zwischendurch mitnehmen als eine professionelle Kamera wie eine Nikon D500 oder Nikon D7500. Die Typbezeichnung Z50 lässt allerdings hoffen, dass es eine Z60 oder Z70 geben wird, die eine ernst zunehmende, professionelle Kamera im DX Format darstellt.
Bleibt nur noch das Problem der Objektive. Das sind nämlich überwiegend starke Kompromisse im DX Format, Zoomobjektive, begrenzte Lichtleistung, Kunststoffhaptik. Ein unerreichtes Sigma 18-35mm F1.8 Pendant auf Nikonseite fehlt. Deswegen haben wir das Sigma noch aufgehoben, und würden dies über einen FTZ-Adapter mit anbinden, wenn eine Z60 oder Z70 verfügbar ist.

Wir waren lange Zeit Verfechter des DX Formats, zumindest für eine Koexistenz mit FX. Wir favorisieren nun FX im Z-System, weil wir damit gute Erfahrung gemacht haben, und weil das aktuelle Angebot keine andere Möglichkeit offen lässt, zumindest im Nikonbereich. Andere Hersteller wie Panasonic, Sony und Canon setzen allerdings auch vermehrt auf FX statt DX.

24mm oder weniger – Landschaftsfotografie

DX: Leider gibt es auf DX Seite kein Spitzen-Objektiv mit 24mm Brennweite (umgerechnet auf DX).

FX: Auf FX Seite wäre das Nikkor Z 24mm f1.8G die erste Wahl. Knackscharf bis in die Ecken. Wer noch mehr Weitwinkel braucht, auch für Astrofotografie, dem sei das Nikkor Z 20mm f1.8G empfohlen.

35-50mm Reportage oder Porträt

DX: Je nach Anwendung hat sich das Sigma 18-35mm F1,8 DC HSM bewährt. Ein Spitzenklasseobjektiv! Das Sigma hat einen recht kleinen Brennweitenbereich, den vermutlich nicht jeder mag. Die Schärfe des Objektiv ist aber über jeden Zweifel erhaben. Müsste allerdings für das Z-System über einen FTZ-Adapter angebunden werden.

FX: Nikon hat mit dem Nikkor Z 35mm f1.8G und dem Nikkor Z 50mm f1.8G zwei passende Boliden im Angebot. Letzteres gibt es als lichtstärkere Variante für noch mehr Freistellungspotenzial.

70-200mm Sport, Wildlife und anderes

DX: Die erste Wahl fällt auf das Nikkor AF-S 70-200 f4 ED VR. Dieses recht preisintensive, schwere Zoom hat einen erstklassigen Bildstabilisator. Die Bilder sind knackig scharf. Eine Alternative wäre das Sigma 50 -100 f1.8 . Unglaublich scharf, aber mit weniger Brennweite. Müsste allerdings für das Z-System über einen FTZ-Adapter angebunden werden.

FX: Auch für FX ist die erste Wahl das Nikkor AF-S 70-200 f4 ED VR, da es kleiner und leichter als der große Bruder ist, und im Endergebnis genauso scharf mit ein bisschen weniger Kontrast. Da gibt es kein Pendant für die Z-Serie. Die Alternative ist das Nikkor Z70-200 f2.8.  Dieses recht preisintensive, schwere Zoom wurde noch einmal gegenüber der F-Serie verbessert.

Was brauche ich für meinen Fotografiealltag?

Die oben genannten Brennweiten und Objektive sind nur eine kleine Auswahl von über 200 Objektiven für das Nikon F-System und 18 für das Nikon Z-System. Wer selbst ein wenig auf Objektivsuche gehen mag, findet auf der Seite DXOMark viel Information.

Den meisten Fotografen ist eine sehr gute Bildqualität wichtig, und darunter werden vornehmlich Auflösung, Schärfe und Kontrast verstanden. Das Z-System von Nikon ist sicherlich eher zukunftskompatibel als das F-System, das immerhin 60 Jahre unterstützt wurde. Technisch gesehen bietet das Z-System mehr Leistung: 4K Video-Unterstützung, lichtstarke Objektive, die bis in den Rand scharf sind, und ein Bildstabilisator in der Kamera, der eine Belichtung freihand auch bei schwierigeren Lichtverhältnissen bietet, um nur ein paar Vorteile zu nennen. Nachteilig ist aktuell noch die Akkulaufzeit, aber das sollte sich legen. Und der Preis für ein neues System.

Argumente für Nikon FX

  1. Lichtstärkere Objektive. Die kann ich genauso für DX nehmen, nur die Brennweite ist durch den Cropfaktor eine andere.
  2. Besseres Freistellpotenzial. Das stimmt! Eine kleine Schärfentiefe hängt neben der Offenblende des Objektivs auch von der Sensorgröße ab.
  3. Weniger Rauschen durch größeren Sensor. Das stimmt! Einen Unterschied macht das bei schlechten Lichtverhältnissen und metergroßen Wandausdrucken, das stärkere Rauschen fällt kaum auf. Vor allen Dingen nicht, wenn der Direktvergleich fehlt.

Argumente für Nikon DX

  1. Schont den Rücken. Tatsächlich sind die meisten Gehäuse für DX kleiner und leichter als FX. Bei den Objektiven verhält sich das analog.
  2. Schont das Portemonnaie. Die Kameragehäuse und Objektive sind zumeist günstiger als bei FX.
  3. Näher am Objekt. Die Brennweitenverlängerung (Cropfaktor 1.5) ist für entferntere Objekte besser geeignet.

Fazit

Die Frage nach dem DX Format bei dem Nikon Z-System stellt sich nicht – denn es ist objektivseitig noch nicht auf dem Niveau wie es bei dem F-System war. Als Übergangslösung bleibt da nur beste DX-Objektive wie das Sigma 18-35mm F1.8 über den FTZ Adapter an die Nikon Z50 anzuschließen. Deswegen bevorzugen wir Vollformat/FX bei dem Nikon Z-System. Die Kameras, abgesehen von wirklich kleinen Schwächen, sind top, und jedes der neu veröffentlichen Objektive ist um Längen besser als das Gegenstück der F-Nikkore. Wir sind gespannt, wie es mit Nikon weitergeht.

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